30
Die Heimarbeit und ihre Verbreitung in der Metallindustrie.
eine andere 1,80 Mk., für eine dritte 2,10 Mk. Wenn ein fleißiger
Arbeiter, der beim Ausschmieden vier Stunden lang Hilfe gebraucht,
2 Mk. bis 2,50 Mk. verdienen will, so muß er dreizehn bis fünfzehn
Stunden arbeiten pro Tag.
Nicht besser ist es in der Kork- und Schraubenzieherbranche,
schlechter bei den Nagelschmieden in Unter- und Oberschönau.
Diese Branche steht schon längst auf dem Aussterbeetat. Sie wird
auch dadurch vor dem Untergang nicht gerettet, daß der Landrat von
Schnialkalden mit den Le»>ten eine Genossenschaft errichtet hat, die die
Nägel verkauft und durch die Verbindung des Landrats auch Lieferungen
erhalten kann. In etwas ist für die Nagelschmiede gegen früher Besserung
erzielt worden. Aber auch der Landrat, der anfangs geglaubt hat, dauernde
Hilfe geschaffen zu haben, muß heute den Leuten sagen: „Laßt eure
Knaben vom Beruf fern!" Das ist aber leichter gesagt wie getan.
Die Kinder schreien nach Brot. Der Verdienst eines Mannes reicht
nicht aus, den Hunger abzuwehren. Alle vorhandenen Hände müssen
arbeiten, das ist der Fluch der Heimarbeit auch in diesem Falle.
Heute, unter der Genossenschaft, verdient ein Arbeiter an einem
Arbeitstag von früh 5 Uhr bis abends 9 und 10 Uhr 1,50 bis 2,50 Mk.
Miete für Schmiede muß davon noch bezahlt werden. In der Arbeitszeit
muß intensiv gearbeitet werden. Die folgenden Preise, die für
einige Sorten angegeben werden, sind unter dem Gesichtspunkt zu betrachten,
daß die Arbeiter das Eisen, das ihnen pro Zentner 8 bis
10 Mk. kostet, und Kohlen, Werkzeug und Werkstatt stellen müssen.
Für einen Zentner Schisfsnägel (eine gute Tagesleistung) erhalten die
Nagelschmiede 13 Mk., für einen Zentner Radnägel (drei gute Tage)
18 bis 19 Mk., einen Zentner Baunägel 17 Mk. (drei Tage Arbeit),
einen Zentner Hacken (zwei Mann zwei Tage) 17,50 Mk., 1000 Stück
Fenstereisen wiegen 50 Pfund (zwei Tage Arbeit) 7 Mk. Das sind
Preise, die gegen früher besser genannt werden müssen. Wie muß es
hier früher ausgesehen haben? Dieses traurige Bild läßt bei allen
Arbeitern den Glauben an eine Besserung verschwinden. Trotz alledem
leben sie in steter Furcht, daß ihnen ihre scheinbare Selbständigkeit genommen
werden kann. Angst vor Fabriken, Neid auf einander ist stark
vorhanden. Ein Beteiligter sagte mir ganz trocken: „Hier ist einer
dem anderen sein Teufel!"
Können die Menschen anders sein? —
Bei dieser schweren Arbeit und dem schlechte!: Verdienst arbeiten
die Arbeiter in Werkstätten, wie ich sie mehrfach gesehen in allen
Orten: In Steinbach-Hallenberg haben drei Zangeuschmiede eine
Werkstatt, in die man durch eine 1 Meter hohe Türe kriechen muß.
Der obere Teil der Türe bleibt fest, weil das der einzige Lichtquell
für eine Schmiede ist, in der ein Ambos und eine Feueresse Platz gesunden
hat. An der Wand hängen die diversen Werkzeuge. Außerdem
ist noch soviel Platz, daß ein Mann mit dem Rücken an der Wand
hinter den: Antbos, eii: anderer Main: mit dem Rücken an der erwähnten
Türe vor dem Ambos stehen kann. Beide stehen fest eingezwängt,
sie können nicht rückwärts, vorwärts oder seitwärts, blasen
das Feuer und schmieden das Eisen. Der Schweiß rollt ihnen in