Full text : Die Heimarbeit und ihre Verbreitung in der Metallindustrie

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Die  Heimarbeit  und  ihre  Verbreitung  in  der  Metallindustrie.

eine  andere  1,80  Mk.,  für  eine  dritte  2,10  Mk.  Wenn  ein  fleißiger
Arbeiter,  der  beim  Ausschmieden  vier  Stunden  lang  Hilfe  gebraucht,
2  Mk.  bis  2,50  Mk.  verdienen  will,  so  muß  er  dreizehn  bis  fünfzehn
Stunden  arbeiten  pro  Tag.
Nicht  besser  ist  es  in  der  Kork-  und  Schraubenzieherbranche,
schlechter  bei  den  Nagelschmieden  in  Unter-  und  Oberschönau.
Diese  Branche  steht  schon  längst  auf  dem  Aussterbeetat.  Sie  wird
auch  dadurch  vor  dem  Untergang  nicht  gerettet,  daß  der  Landrat  von
Schnialkalden  mit  den  Le»>ten  eine  Genossenschaft  errichtet  hat,  die  die
Nägel  verkauft  und  durch  die  Verbindung  des  Landrats  auch  Lieferungen
erhalten  kann.  In  etwas  ist  für  die  Nagelschmiede  gegen  früher  Besserung
erzielt  worden.  Aber  auch  der  Landrat,  der  anfangs  geglaubt  hat,  dauernde
Hilfe  geschaffen  zu  haben,  muß  heute  den  Leuten  sagen:  „Laßt  eure
Knaben  vom  Beruf  fern!"  Das  ist  aber  leichter  gesagt  wie  getan.
Die  Kinder  schreien  nach  Brot.  Der  Verdienst  eines  Mannes  reicht
nicht  aus,  den  Hunger  abzuwehren.  Alle  vorhandenen  Hände  müssen
arbeiten,  das  ist  der  Fluch  der  Heimarbeit  auch  in  diesem  Falle.
Heute,  unter  der  Genossenschaft,  verdient  ein  Arbeiter  an  einem
Arbeitstag  von  früh  5  Uhr  bis  abends  9  und  10  Uhr  1,50  bis  2,50  Mk.
Miete  für  Schmiede  muß  davon  noch  bezahlt  werden.  In  der  Arbeitszeit ­
  muß  intensiv  gearbeitet  werden.  Die  folgenden  Preise,  die  für
einige  Sorten  angegeben  werden,  sind  unter  dem  Gesichtspunkt  zu  betrachten, ­
  daß  die  Arbeiter  das  Eisen,  das  ihnen  pro  Zentner  8  bis
10  Mk.  kostet,  und  Kohlen,  Werkzeug  und  Werkstatt  stellen  müssen.
Für  einen  Zentner  Schisfsnägel  (eine  gute  Tagesleistung)  erhalten  die
Nagelschmiede  13  Mk.,  für  einen  Zentner  Radnägel  (drei  gute  Tage)
18  bis  19  Mk.,  einen  Zentner  Baunägel  17  Mk.  (drei  Tage  Arbeit),
einen  Zentner  Hacken  (zwei  Mann  zwei  Tage)  17,50  Mk.,  1000  Stück
Fenstereisen  wiegen  50  Pfund  (zwei  Tage  Arbeit)  7  Mk.  Das  sind
Preise,  die  gegen  früher  besser  genannt  werden  müssen.  Wie  muß  es
hier  früher  ausgesehen  haben?  Dieses  traurige  Bild  läßt  bei  allen
Arbeitern  den  Glauben  an  eine  Besserung  verschwinden.  Trotz  alledem
leben  sie  in  steter  Furcht,  daß  ihnen  ihre  scheinbare  Selbständigkeit  genommen ­
  werden  kann.  Angst  vor  Fabriken,  Neid  auf  einander  ist  stark
vorhanden.  Ein  Beteiligter  sagte  mir  ganz  trocken:  „Hier  ist  einer
dem  anderen  sein  Teufel!"
Können  die  Menschen  anders  sein?  —
Bei  dieser  schweren  Arbeit  und  dem  schlechte!:  Verdienst  arbeiten
die  Arbeiter  in  Werkstätten,  wie  ich  sie  mehrfach  gesehen  in  allen
Orten:  In  Steinbach-Hallenberg  haben  drei  Zangeuschmiede  eine
Werkstatt,  in  die  man  durch  eine  1  Meter  hohe  Türe  kriechen  muß.
Der  obere  Teil  der  Türe  bleibt  fest,  weil  das  der  einzige  Lichtquell
für  eine  Schmiede  ist,  in  der  ein  Ambos  und  eine  Feueresse  Platz  gesunden ­
  hat.  An  der  Wand  hängen  die  diversen  Werkzeuge.  Außerdem
ist  noch  soviel  Platz,  daß  ein  Mann  mit  dem  Rücken  an  der  Wand
hinter  den:  Antbos,  eii:  anderer  Main:  mit  dem  Rücken  an  der  erwähnten ­
  Türe  vor  dem  Ambos  stehen  kann.  Beide  stehen  fest  eingezwängt, ­
  sie  können  nicht  rückwärts,  vorwärts  oder  seitwärts,  blasen
das  Feuer  und  schmieden  das  Eisen.  Der  Schweiß  rollt  ihnen  in
            
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