Full text : Die Heimarbeit und ihre Verbreitung in der Metallindustrie

Bndm  und  Württemberg:  Trossingm  und  Umgegend.

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Die  Trossinger  Industrie  beschäftigt  sich,  soweit  die  Metallindustrie
in  Betracht  kommt,  mit  der  Herstellung  von  Mundharmonikas.
Diese  Fabrikation  vollzieht  sich  jedoch,  obwohl  es  sich  hier  fast  nur  um
Massenartikel  handelt,  nur  zum  Teil  fabrikmäßig,  größtenteils  jedoch
auf  haus  industriellem  Wege.  Fabrikmäßig  werden  fast  nur  die  Bestandteile ­
  hergestellt,  während  deren  weitere  Bearbeitung  und  Zusammenstellung
meist  durch  Heimarbeiter  erfolgt.  Dies  Verhältnis  kommt  so  recht  in
den  nachstehenden  Schilderungen  zum  Ausdruck.
Die  Firma  M.  Hohner,  die  größte  am  Orte,  beschäftigt  insgesamt ­
  2000  Personen,  davon  nur  500  in  der  Fabrik,  alle  übrigen
sind  in  der  Hausindustrie  und  in  den  Filialen  dieser  Firma  beschäftigt.
Den  Arbeitern  und  Arbeiterinnen  der  Filialen  wird  das  Material
gerade  so  wie  den  Heimarbeitern  geliefert.
Die  Zahl  der  auf  diese  Weise  beschäftigten  Heimarbeiter  beträgt
in  Trossingen  selbst  800,  in  der  weiteren  Umgegend  auf  4  bis  5  Stunden
im  Umkreis  1200  bis  1500  Personen,  so  daß  die  Gesamtzahl  immerhin
zirka  2000  bis  2300  Personen  betragen  wird.  Die  Art  der  Arbeit  ist
sehr  verschieden.  Wir  begegnen  Heimarbeitern,  die  die  einzelnen  Bestandteile ­
  nacharbeiten  und  die  ganze  Mundharmonika  fertig  machen,
daneben  sehen  wir  wieder  welche,  die  nur  ganz  bestimmte  Arbeiten  an
den  Bestandteilen  verrichten,  die  Fertigmacherei  aber  anderen  überlassen.
Die  Arbeit  der  Heimarbeiter  besteht  im  wesentlichen  in  dem  Aufnageln
der  Stimmzungen  auf  die  Platten,  im  Einpassen  und  Abstimmen  derselben ­
  und  mit  Aufnageln  der  mit  Stimmzungen  versehenen  Platten
auf  das  Holz  und  im  Fertigmachen.  Die  Fabrik  liefert  vorgearbeitet
die  Holzteile  ausgefräst,  die  Platten  gestanzt  und  gelocht,  die  Zungen
ungelocht,  die  Nägel  zum  Aufnageln  dieser,  die  äußeren  Blechschilder,
sowie  die  Befestigungsschrauben  hierzu.
Die  Bezahlung  richtet  sich  nach  der  der  in  Fabrik  beschäftigten
Arbeiter,  verkürzt  sich  natürlich  dadurch  gegeu  den  Verdienst  dieser,
weil  der  Heimarbeiter  Licht,  Heizung,  Werkzeug  und  Arbeitsraum  selbst
stellen  muß.  Außerdem  werden  die  männlichen  Heimarbeiter  zur  Gewerbesteuer ­
  herangezogen.  Nachstehende  Übersicht  mag  einen  Einblick
in  die  Verdienstverhältnisse  der  Heimarbeiter  gewähren.  Es  wird  bezahlt ­
  für:  Aufnageln  der  Federn  einschließlich  Lochen  pro  Dutzend
10  Pf.,  Tagesleistung  ist  12  bis  15  Dutzend,  Verdienst  pro  Tag  1,20
bis  1,50  Mt.;  Festnieten  der  Federn  pro  Dutzend  10  Pf.,  Tagesleistung
12  bis  15  Dutzend,  1,20  bis  1,50  Mk.;  Lösen  der  Zungen  (Hineinpassen ­
  sc.)  pro  Dutzend  15  Pf.,  Tagesleistung  8  bis  10  Dutzend,  1,20
bis  1,50  Mk.;  Stimmen  pro  Dutzend  17  Pf.,  Tagesleistung  15  bis
20  Dutzend,  2,55  bis  3,70  Mk.;  Aufhölzeln  pro  Dutzend  10  Pf.,  Tagesleistung ­
  20  bis  27  Dutzend,  2  bis  2,70  Mk.;  Ausstimmen  pro  Dutzend
11  Pf.,  Tagesleistung  30  bis  35  Dutzend,  3,31  bis  3,60  Mk.;  Aufdeckeln ­
  pro  Dutzend  3  Pf.,  Tagesleistung  40  bis  50  Dutzend,  1,20  bis
1,50  Mk.
            
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