Full text: Russlands Bankerott

1899 war sogar die Einfuhr größer als die Ausfuhr. Die Jahre 1902 
und 1903 waren Ausnahmejahre zugunsten Rußlands, in welchen mit 
guten Getreidepreisen gute Ernten in Südrußland zusammentrafen. Trotz 
dieser beiden abnorm günstigen Jahre ergab der Durchschnitt der letzten 
zehn Jahre nur einen Aussuhr-Ueberschuß von jährlich 175 Will. Rubel. 
Der Ausfuhr-Ueberschnß ist demnach noch nicht einmal ausreichend, um 
diejenigen Zahlungen zn leisten, welche der russische Staat für die Zinsen 
und Amortisationsquoten seiner Anleihen im Ausland zu entrichten 
hat. Damit sind indessen die Zahlungsverpflichtungen Rußlands nicht 
erschöpft. Nach einer Aufstellung des russischen Ober-Geh. Finanzrats 
Schwanebach^) hat Rußland jährlich etwa 260 Millionen Rubel ans 
Ausland zu zahlen. 
1. Mindestens 170 Millionen Rubel Anleihezinsen; 
2. mindestens 50 Millionen Rubel jährlich Ausgaben von Russen 
im Auslande; 
3. Ausgaben der Regierung im Auslande für Armee und Marine 
mit 16 Millionen Rubel; 
4. Erträgnisse in Rußland angelegter Kapitalien mit 24 Millionen 
Rubel. i 
Zu 1 gibt Helfferich (Seite 1036/7) an, daß der Betrag, den Ruß 
land für Verzinsung und Amortisation ins Ausland zu schicken hat, auf 
450—500 Millionen Francs veranschlagt wird, d. h. 168—180 Millionen 
Rubel. Der Posten zu 2 beruht auf einer Schätzung des früheren 
Finanzministers Wyschnegradski. Auch dieser dürfte nicht zu hoch ein 
geschätzt sein. Es ist unzweifelhaft in großem Maße der Reiseverkehr 
für die Schweiz und Italien eine große Quelle von Goldimport wie für 
Rußland und Amerika die Veranlassung von Goldexport. — Die Posten 
3 und 4 sind für die letzten Jahre sicher zu gering gerechnet. Gar nicht 
in Ansatz gebracht ist der Tribut, den Rußland an ausländische Reede 
reien für den Warenverkehr zu entrichten hat, an einem Schiffs 
verkehr von rund 18 Millionen Tonnen in russischen 
Häfen ist die russische Flagge nur mit 1,9 Millionen 
Tonnen, d. h. ca. 11 o/o, beteiligt. Da Rußland aber weder fremden 
Warenverkehr vermittelt noch irgendwie in wesentlicher Summe Gläubiger 
des Auslandes ist, müssen diese gesamten Verpflichtungen vom Aus 
fuhrüberschuß getragen werden. Und da, wie bemerkt, dieser im Durch 
schnitt der letzten Jahre nur ca. 175 Millionen Rubel beträgt, muß 
Rußland im Durchschnitt jährlich ca. 90 bis 100 Mil 
lionen Gold an das Ausland verlieren, wenn es 
seinen Goldschatz nicht stets durch neue Anleihen 
schützt. Zu demselben Ergebnis kommt man auf dem Wege einer ein 
fachen Bauernrechnung. — Die Schulden Rußlands im Ausland be 
tragen, wie Helfferich (nach französischen Quellen) schätzt, 7—9 Milliarden 
Francs in Frankreich, 3 Milliarden in anderen Ländern (S. 1036). Mit 
Aktien und Obligationen der Privatbahnen und Jndustriewerte dürften 
0 Vgl. Rohrbach, S. 6S. 
Der Schiff 
fahrttribut. 
Der bedrohte 
Goldschatz. 
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