Full text : Russlands Bankerott

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und  des  Reinertrages  aus  dem  Staatsvermögen.  In  dieser  Beziehung
schreibt  Helfferich  im  Anschluß  an  den  Bndgetbericht  für  l902  (S.  1044):
im  Jahre  1892  im  Jahre  1900
Millionen  Rubel

Der  Reinertrag  der  Staatsbahnen  und  die
Zahlungen  der  Privatbahnen  ....  55,4  139,0
Der  Reinertrag  der  Forsten  ....  .  10,5  45,6
Zusammen  .  .  .  66,9  184,6
Der  Aufwand  für  den  Anleihedienst.  .  .  243,2  275,3

Aus  anderen  Einnahmequellen  blieben  mithin ­
  für  den  Anleihedienst  zu  decken  .  .  176,3  90,7

Auch  wenn  man  berücksichtigt,  daß  innerhalb  des  bezeichneten  Zeitraums ­
  der  Anleihedienst  eine  gewisse  Entlastung  durch  die  Verminderung
der  Amortisation  erfahren  hat,  bleiben  diese  Zahlen  ein  beredtes  Zeugnis
für  die  außerordentliche  Kräftigung  der  russischen  Staatsfinanzen."
Sehen  wir  zunächst  vom  Reinertrag  der  Forsten  ab,  bei  dem  cs
wesentlich  wäre,  wie  weit  solcher  innerhalb  der  Grenzen  eines  vernünftigen
forstwirtschaftlichen  Betriebes,  oder  was  wahrscheinlicher,  durch  übermäßig ­
  starke  Abholzung  erzielt  ist,  und  halten  wir  uns  lediglich  an  die
Eisenbahnen.  Hier  sind  die  Zahlen,  die  Helfferich  angibt,  der  Wahrheit
nicht  entsprechend.  Das  Ergebnis  ist  auch  hier  nur  dadurch  zustande
gekommen,  daß  die  Ausgaben  für  Verstärkung  und  Verbesserung  des  Betriebes, ­
  welche  dem  Betriebs-Konto  zur  Last  zu  legen  waren,  auf  Kapital-Konto
  als  Vermehrung  des  Anlagekapitals  verbucht  worden  sind.  Es
ist  dies  eine  längst  bekannte  Tatsache,  über  die  schon  Rohrbach^)  (Seite  31)
folgendes  vermerkt:
ogenannte  „Der  gelungenste  Zug  bei  der  finanzministeriellen  Angabe  über  den
eberschüsse.  Wert  der  Staatsbahnen  ist  aber  der,  daß  unter  den  „Anlagekvsten"
natürlich  auch  jene  famosen  Ausgaben  „zur  Verbesserung  und  Verstärkung"
der  bestehenden  Eisenbahnen  figurieren,  Ausgaben,  die,  wie  die  oben
abgedruckte  Tabelle  zeigt,  für  die  Zeit  von  1888,  wo  die  Verstaatlichung
der  Eisenbahnen  begann,  bis  1900  insgesamt  bereits  ca.  315  Millionen
Rubel  betrugen  —  ein  Betrag,  der  für  die  Zeit  von  1892  bis  1902  sogar
noch  kaum  ausreichen  wird.  Herr  von  Witte  setzt  also  nicht  nur  in  unzulässiger ­
  Weise  den  effektiven  Wert  seiner  Eisenbahnen  den  Anlagekosten
gleich,  sondern  er  rechnet  unter  diese  angeblichen  Anlagekosten  auch  noch
frischweg  einige  hundert  Millionen  Rubel,  die,  wie  die  russische
Reichskontrolle  auch  korrekterweise  tut,  auf  Konto
der  laufenden  Betriebskosten  gebucht  werden  müsse  n."
Wie  ersichtlich,  hält  selbst  die  russische  Reichskontrolle  das  Wittesche
Verfahren  nicht  für  korrekt.  Entsprechend  bemängelt  Arthur  Norden
in  einer  Kritik  des  Helfferichschen  Artikels  im  Berl.  Tagebl.  vom  22.  Oktober, ­
  daß  die  für  Bahnunterhaltung  und  Betrtebszubehör  verwendeten
Millionen  der  Kapitalanlage  zugerechnet  werden,  obgleich  das  werbende
Vermögen  damit  keinen  Zuwachs  erhalte.  Ebenso  hat  Wittchewsky  in
den  erwähnten  Artikeln  in  Konrads  Jahrbüchern  und  im  Archiv  für

1)  Dr.  Paul  Rohrbach  „Das  Finanzsystem  Witte."  Berit»  1908.
            
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