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Schwerpunkt des damaligen Serbien war im Westen der
Halbinsel, in Rascien, gelegen. Von liier aus wendete der
von Nemauja gegründete junge Serbenstaat in der Folgezeit
seine Expansivkraft nach dem Süden und breitete sich unter
dem König Stephan Uros II. Milutin (1282—1320) über einen
grossen Teil Macedoniens und Albaniens aus, während Stephan
'Duschan der Grosse (1331 —1355), der sich zum Kaiser der
Serben und Griechen krönen liess, den Rest Macedoniens
samt Thessalien, Albanien und Epirus seinem Reiche einverleibte.
Damit erreichte das serbische Volk die höchste Stufe
seiner politischen Entwickelung. Nach dem Tode des grossen
Zaren zerfiel sein Reich in mehrere Adelslierrschafteu; die
partikularistischen Tendenzen, welche unter der energievollen
Herrschaft der Nemanjiden stille wurden, lebten wieder auf
und erleichterten dadurch die Niederlage, welche die Serben
bereits im Jahre 1389 gegenüber den Türken am Amselfelde
erlitten. Bis zum Jahre 1459 wurde das Land von serbischen
Fürsten unter den Namen Despoten regiert, die die Verpflichtung
hatten, für türkische Eroberungszwecke Dienste zu
leisten; in diesem Jahre wurden die Despoten abgesetzt, damit
fiel auch der blosse Schein einer Selbständigkeit und
Serbien wurde zur türkischen Provinz.
Der Schwerpunkt des von den Nemanjiden aufgerichteten
Staates lag also im Westen. Dies war auch durch die geographische
Lage bedingt, denn in westlicher Richtung war
die Meeresküste gelegen, welche die Serben mit der Welt in
Verbindung setzen sollte. Die ersten nationalen Bestrebungen
waren auch darauf gerichtet, sich auf der Küste festzusetzen.
„Die Geschichte des serbischen Volkes vom VII. bis zum
XLQ. Jahrhundert ist nichts anderes als ein Kampf um das
Meer.“ 1 ) In diesem, ihrem natürlichen Streben stiessen die
Serben an die mächtig aufgeblühte venetiauisclie Republik,
welche mit scharfem diplomatischen Sinne und eiserner Energie
über ihre Handelshegemonie auf der Adria wachte. Die
*) Mijatovic. Studije za ist srp. trgovine (Studien zur serbischen
Handelsgeschichte des XIY. Jahrhunderts). Ctlasnik XXXVIII, S. 81.