45
sicherste Gewähr flir den Fortschritt seines Landes zu bieten
schien; er war bestrebt, eine Erweiterung der Rechte des
serbischen Volkes nur bei Wahrnehmung günstiger Momente
auf dem Wege der Verhandlungen zu erlangen. Die Pflege
guter Beziehungen bildete daher die Grundlage seiner Politik,
und diese befolgend, erachtete er es als wichtige Bedingung,
die Steuern einwandfrei an die Türken abzuliefern. Darum
die grosse Sorgfalt, welche er dem Steuerwesen und dem mit
diesem engverbundenen Geldwesen widmete. Aus der ganzen
Arbeit dieses Bauernfürsten überhaupt ersieht man deutlich
seine Ansicht, dass die ökonomische Stärke des Landes eine
Hauptbedingung seiner Zukunft sei. Dies beweist auch der
Umfang der Tätigkeit, die er auf wirtschaftlichem Gebiete
entwickelt hat. Bestrebt, den Handel zu fördern, schenkte
er auch dem Geldwesen im Lande seine Aufmerksamkeit und
so geben manche Anordnungen und Verbote, welche jenem
Bestreben zu Grunde liegen, Aufschluss über die Geldverhältnisse
seiner Regierungszeit. Die schlecht ausgeprägten
türkischen Geldstücke wurden verdrängt und der Geldbedarf
durch ausländische Münzen befriedigt, Der Piaster bildete
aber noch immer die Grundlage aller Wertberechnung, denn
der Handel rechnete in dieser Münze und in derselben waren
auch sämtliche Steuern festgesetzt. Auf diese Weise konnten
fremde Geldstücke nur nach ihrem in Piastern ausgedrückten
Werte in Umlauf gehen. Da auch die Steuern mit fremden
Münzen bezahlt werden konnten, jene aber in Piastern
festgesetzt waren, wurde jede Münze nur zu einem bestimmten,
in Piastern ausgedrückten Kurse in Zahlung genommen.
Fürst Milosch pflegte aus diesem Grunde gelegentlich
der Verlautbarung des Steuersatzes durch einen beigelegten
Geldtarif dem Volke zugleich die Preise bekannt zu
geben, zu welchen die Steuern mit fremden Gelde bezahlt
werden konnten. Die zwei ältesten bekannten Geldtarife vom
12. Oktober 1 ) 1819 und vom 7. Oktober 1820 seien hier
wiedergegeben:
‘) Die Kalendertage verstehen sich stets nach altem Stil.