5. Die Gegenstände des Börsenhandels.
217
Ihnen!") worauf beide sich den Kurs und die Quantität schleunigst in ihren Notiz
büchern vermerken, um alsbald sich der Erledigung weiterer Aufträge zuzuwenden.
Oft müssen Gestikulationen alle Worte ersetzen. Denn die ungeheure Zahl der fort
während hin- und herschwirrenden Gebote verursacht einen geradezu betäubenden
donnerartigen Lärm und ist, verbunden mit dem Anblick zahlreicher Knäuels sich
drängender, brüllender und gestikulierender Menschen, wohlgeeignet, demjenigen, der
zum ersten Mal die Gallerten eines Börsenraumes betritt, ^Befremden und Wider
willen einzuflößen.
5. Die Gegenstände des Börsenhandels.
Von Max Weber.
Weber, Die Börse. I. Zn: Göttinger Arbeiterbibliothek, herausgegeben von Naumann.
Bd. l. Göttingen, vandenhoeck & Ruprecht, 5. 23— 32.
Man pflegt die Waren, welche den Gegenstand des Verkehrs aus der Börse
bilden, in zwei Äauptgruppen zu scheiden: „Produkten", Waren im engeren Sinne,
einerseits und Geldsorten, sowie Wechsel, „Effekten" und „Fonds", d. h. Wertpapiere
verschiedener gleich zu besprechender Art, andererseits, und man scheidet danach die
„Produkten- ftder Warenbörse" von der „Effekten- joder Fondsbörse". Die
Unterscheidung hat nur dieselbe Bedeutung, als wenn man etwa Fisch-, Fleisch- und
Gemüsemarkt unterscheidet. Beide können an ein und demselben Orte stattfinden und
gemeinschaftlich organisiert sein, so z. B. in Berlin und Hamburg. Oder sie können
an verschiedenen Orten stattfinden, so in Paris und London. Es können auch beide
Hauptabteilungen wiederum geteilt sein, z. B. die Effektenbörse in eine Börse für
Wechsel und eine solche für andere Wertpapiere, so in London, und die Produkten
börse in besondere Märkte für Getreide, Zucker, Eisen, Schmalz usw., so vielfach in
Amerika. Es werden endlich überhaupt nicht an jeder Börse alle oder viele „börsen
gängigen" Waren und Papiere gehandelt, sondern naturgemäß oft nur oder ganz
überwiegend die, welche in der betreffenden Gegend produziert oder durch den betreffenden
Äafenplatz hindurch ein- oder ausgeführt werden: wie in den Seestädten der Fischmarkt,
so besteht in Essen, im westdeutschen Kohlenreviere eine Börse, an welcher nur Kohlen
und Anteile an Bergwerken gehandelt werden, in Magdeburg, inmitten der Zuckerrüben
bauenden Provinz Sachsen eine solche für Zucker. Nur an den großen zentralen Börsen
konzentriert sich der Verkehr in allen Haupthandclsartikcln.
An der Produktenbörse begegnen wir zunächst dem Getreide und den Feld
früchten aller Art, nebst den unmittelbar daraus gewonnenen Produkten, insbesondere
Mehl. Der größte Markt dafür ist in Deutschland nächst der Berliner Börse Mannheim,
bis wohin das überseeische Getreide rheinaufwärts verschifft wird. Ferner Zucker: die
größten Märkte sind mit Berlin, wie schon erwähnt, Magdeburg und Hamburg (Aus
fuhrhafen), und Sprit: Berlin und Hamburg (Ausfuhrhafen) teilen sich in den Markt;
Petroleum: Bremen (Einfuhrhafen) teilt sich mit Berlin, Baumwolle: ebenso;
Wollgarne, besonders Kammgarne: Leipzig (Produktionsort) spielt eine erhebliche
Rolle; Kaffee: für ihn ist Hamburg (Einfuhrhafen) der größte Handelsplatz; Kohle
und Eisen: die Märkte der westlichen Produktionsgegenden sind von entscheidender
Bedeutung, und viele andere nicht so wichtige Artikel, deren Aufzählung zu weit führt.
Im Effektenhandel drängt sich der Verkehr natürlich an den Orten zusammen.