DIE REKLAME AN DER LANDSTRASSE
90. DIE REKLAME AN DER LANDSTRASSE
Die Streckenreklame hatte schon vor dem Kriege eine solche
Ausdehnung erfahren, daß der „Heimatschutz‘“ vielfach Ver-
anlassung fand, sich damit zu beschäftigen. Er wandte sich in
erster Linie gegen jene Reklameauswüchse, die geeignet waren,
das Landschaftsbild ungünstig zu beeinflussen, es zu verhäß-
lichen. Mit voller Absicht stelle ich das an den Anfang dieses
Kapitels. Möchte ich doch den Hotelbesitzern, Kurortleitern und
Fremdenverkehrsinteressenten recht nachdrücklich ans Herz
legen, daß sie berufene Hüter der landschaftlichen Reize ihres
Heimatgebietes sind! Berufene Hüter auch deshalb, weil sie
damit zugleich ihre eigenen Interessen wahren. Es würde wider-
sinnig sein, wollte ein Kurort in seinen Werbeschriften die
Schönheiten der Umgebung preisen, sie aber sozusagen im
gleichen Atemzuge durch unschöne, aufdringliche, markt-
schreierische Streckenreklame entwerten. Diese Mahnung ist
durchaus nicht ungerechtfertigt, denn ich habe Strecken-
reklamen gesehen, gegen die einzuschreiten der Heimatschutz
alle Ursache hat. Man sehe sich mein diesbezügliches „Muster-
beispiel“ an! Es ist ein „Muster“ in abschreckendem Sinne.
Etwas Häßlicheres kann man sich kaum vorstellen. Deshalb
sei hier eingeschaltet, daß die Hotelbesitzer, Kurortleiter und
Fremdenverkehrsvereine es sich zur Aufgabe machen sollten,
die Streckenreklame der Industrie und des Handels ebenso
sorgfältig zu überwachen, wie die eigene. Gegen häßliche Aus-
wüchse müßte mit allen Mitteln eingeschritten werden, wobei
man wohl immer die tatkräftige Unterstützung des Heimat-
schutzes finden wird. An einem Beispiel aus der Praxis will ich
zeigen, wie beachtenswert meine Mahnung ist. Eine Großfirma
der Auto-Brennstoffindustrie in England hat im Herbst 1925
ihre Reklameschilder von allen Landstraßen entfernt! Warum?
Sie stellte fest, daß ihr Absatz infolge dieser Streckenreklame