Full text: Die geplante Erhöhung der Brausteuer für das norddeutsche Braugewerbe und deren Folgen

den Sohn über, dort entwickelte sich dies alles natürlicher, aus 
sich selbst heraus. Im Norden handelt es sich dagegen um 
neu geschaffene, sehr viel kostspieligere Anlagen. In Bayern 
ist der Verbrauch an Bier viel größer, als im Norden. Die 
Kundschaft einer Brauerei drängt sich dort auf viel kleinerem 
Raum zusammen, als hier. Dadurch entsteht für den Süden 
ein sehr viel geringerer Spesenanfall. Dieser viel geringere 
allgemeine Spesenaufall gleicht für den Süden den dortigen, 
in die Gesamtspesen einzuschließenden höheren Steueranfall 
mehr als aus. Trotz seiner höheren Steuer produziert 
somit der Süden billiger als der Norden. Dabei hat er 
festgeregelte, höhere Verkaufspreise als Norddeutschland, und 
dabei hat er Gerste und Hopsen in den besten Sorten vor 
der Türe. 
Man hört immer sagen: Der Süden trägt die höhere 
Steuer, warum soll sie der Norden nicht auch tragen können? 
Das erklärt sich eben aus den ganz verschiedenen Verhältnissen. 
Stellt man Nord und Süd nur einfach nebeneinander, so 
muß man hier zu den schwersten Irrtümern kommen. 
Ganz dasselbe ist bei dem Einzelverkauf hervorzuheben. 
Die süddeutschen Kneipen erzielen viel, aber viel höhere Umsätze, 
als die norddeutschen. Die süddeutschen Wirtschaften sind sehr 
reinlich gehalten, aber doch lange nicht von der luxuriösen 
Einrichtung, die man im Norden verlangt. Dadurch hat Süd 
deutschland natürlich geringere Spesen. Der süddeutsche Bier 
trinker will und braucht auch nicht alle diese teueren Ein 
richtungen mit zu bezahlen. Hat nun aber der süddeutsche 
Wirt bedeutend höheren Umsatz und weniger Unkosten, so kann 
er auch geringeren Nutzen nehmen in: einzelnen Falle und 
findet trotzdem genügendes Auskommen. 
Von einem weiteren Vergleich hört mau vielfach. Er drängt 
sich namentlich den besseren Kreisen auf, die dabei sicher im 
besten Glauben handeln. Man vergleicht nämlich die Luxus 
wirtschaften der großen Städte mit dem Bierverkauf im all 
gemeinen. Wer nur die bayerischen Bierpaläste in den großen 
Städten keunt und wer von diesen Verhältnissen aus seine 
Schlüsse zieht, der muß allerdings zu ganz anderen Er 
gebnissen kommen, als derjenige, welcher die hier doch allein 
maßgebenden Zustünde zugrunde legt, d, h. die Verhältnisse 
der Gastwirtschaften, in welchen das weniger bemittelte Publikum 
verkehrt. Schon in den Vororten Berlins, in den Arbeiter 
vierteln, sieht es ganz anders aus als in der Friedrichstadt. 
Wer kommt aber dahin? Wer hat Einblick in das dortige 
WirtshauSleben? In den Luxuswirtschafteu gibt der 
Gast oft mehr für Trinkgeld aus, als der Arbeiter 
für Bier in seinen kleinen bescheidenen Kneipen. In 
den letzteren ist aber trotzdem der hauptsächliche Verbrauch.
	        
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