— 13 —
Wir sehen demnach, daß naturgemäß die Landwirtschaft im alten
Dorfe ihre Stellung bewahrt hat, wenn auch nicht festzustellen ist,
wieviel Arbeiter ganz oder zum Teil in der Landwirtschaft beschäftigt
werden. Die notwendigen Gewerbe sind vollkommen vertreten. Wunder
lich erscheint nur, daß die an der Staatsbahn Beschäftigten in dem ent
fernter liegenden Ortsteil wohnen, was wohl ans Gewohnheit aus
früherer Zeit beruht, als das näher der Bahn gelegene Gelände noch
nicht bebaut war. Dasselbe läßt sich von den Arbeitern und insbe
sondere den Maurern sagen. Die Wohnungsmieten sind außerdem im
Dorfe billiger, auch, wie gezeigt, mit einer mißlichen Ausnahme zu
friedenstellend.
Die Bewohner der Ansiedluug außerhalb des Dorfes, besonders
also Fichtenaus, setzen sich aus den verschiedensten Kontingenten zusammen.
Neben Pensionären, meist mittleren Beamten und einigen Offizieren,
finden wir Vertreter der verschiedensten staatlichen und kommunalen
Beamtenkategorien, Bankbeamte und Privatangestellte. Die Gewerbe sind
fast vollständig ortsansässig, ebenso vielerlei Arten gelernter Arbeiter-
Daß es sich bei diesen zumeist um selbständige oder doch in guter Position
befindliche Einwohner handelt, zeigt das Verhältnis der Einwohner zu
den bewohnten Häusern, immerhin fehlt es auch nicht an Angehörigen
der ärmeren Schichten. Umsomehr ist es zu begrüßen, daß allen, ohne
Unterschied von Berus und Stellung im sozialen Leben das Wohnen
in gesunder Luft und in landschaftlich schöner Lage gestattet ist.
Ortsgebiete, die nur einer bestimmten Klasse vorbehalten sind, gibt
es erfreulicherweise noch nicht, und jeder Entwicklung nach dieser Richtung
ist als erstem Schritt zur sozialen Verelendung auf das kräftigste ent
gegenzuwirken.
III. Formen und rechtliche Grundlagen der Bebauung.
Aus der Gliederung der Bevölkerung nach Berufen fällt es ohne
weiteres auf, daß kein größerer Gewerbetreibender oder Industrieller
am Orte seinem Berufe nachgeht. Das erklärt sich neben dem Umstand,
daß die Gemarkung für industrielle Anlagen nicht geeignet erscheint, aus
der baulichen Entwicklung, die gerade in dem hauptsächlich wegen der
Nähe der Bahn in Betracht kommenden Gebiet die Errichtung der
artiger Betriebe ausschloß. Das alte Dorf Kleinschönebeck weist in
seinem ursprünglichen Bestand nur eine Hauptstraße ans. Die Wohn
häuser der zurzeit fast durchweg wohlhabenden Bauern — das letzte
altmärkische Bauernhaus mit Strohdach machte 1908 einem Neubau
Platz — sind mit Ausnahme zweier neuerer Gebäude einstöckige Häuser