Die Arbeitgeber haben ihre Handelskammern und ihre industriellen
Vereine, kraftvolle Organisationen, deren sie sich mit Energie und
Geschick bedienen, um ihre Interessen geltend zu machen. Jetzt
sollen auch für die Arbeiter entsprechende Organisationen geschaffen
werden, und da heißt es nun: nicht ohne die Arbeitgeber!
obwohl es doch klar sein müßte, daß dann die Arbeiter
sich beengt fühlen werden und die offene Meinungsäußerung
leidet. Daß die Arbeiter fähig und geschult genug sind, ihre
Wünsche in richtiger Form anzubringen, davor ist mir nicht
bange, und daß sie in der Aammer keine sozialdemokratische
Propaganda treiben, wie auch wohl befürchtet wird, dafür wird,
ganz abgesehen von der durch Einführung der Verhältniswahl
zu verbürgenden richtigen Zusammensetzung der Aainmer, in
letzter Instanz der Staatskommissar Sorge tragen, der bei einigein
Geschick die Erörterung leicht aus das streng sachliche Gebiet beschränken
kann.
Wenn weite Arbeiterkreise bei dieser Sachlage selbst die
paritätischen Aammern befürwortet haben, so mag dies erklärlich
erscheinen, wenn die neuen Aörperschaften sich wesentlich auch auf
jene erstgenannten Ausgaben der Streitigkeitsschlichtung und
solche informatorischer Art konzentrieren sollen. Andernfalls
glaube ich, daß eine weitere Erörterung des Problems in der
Oeffentlichkeit, insbesondere in Arbeiterkreisen die Stimmung zugunsten
der reinen Arbeiterkamnrern verändern wird. In gewissem
Umfange ist dies bereits geschehen. Zum Teil nrag übrigens
das Votunr zugunsten der paritätischen Arbeitskanrmern von seiten
der Arbeiter darauf zurückzuführen sein, daß die Meinung verbreitet
ist, als ob hiermit den Wünschen der Arbeitgeber entsprochen
werde. Auch sonst scheint diese Ansicht verbreitet zu sein.
Worauf man sich hierbei stützt, ist mir unbekannt. Soviel ich weiß,
haben sich bisher weder die deutschen Handelskammern, welche doch
die aintlichen Vertretungen der Industrie und des Pandels darstellen,
in denen insgesamt sogar die Industrie überwiegt, noch
auch die großen industriellen Verbände mit diesen: Probien: eingehender
besaßt. Eine amtliche Befragung dieser Aörperschasten
ist bisher auch noch nicht erfolgt. Wohl aber ist anzunehinen,
daß diese Organe sehr bald zur Frage Stellung nehmen. Wie
die Beantwortung ausfallen wird, mag zurzeit dahingestellt bleiben.
Daß aber viel 5ti:n:nung für paritätische Arbeitskannnern vorhanden
sein wird, möchte ich bezweifeln. Abgesehen von den
noch zu erwähnenden Bedenken, die in der Sache selbst liegen,
dürste hier der Gesichtspunkt inaßgebend sein, daß die Arbeitgeber
bereits ihre Organisationen besitzen, innerhalb deren sie