Object : Die Berliner Arbeiterbewegung von 1890 bis 1905

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herausgegebenen  „Sozialdemokrat"  Max  Zachau  zu  9  Monat  und  Max
Schippel  zu  3  Monat,  von  Redakteuren  des  „Volksblatt  für  Teltow-Beeskow"
  Rautmann  zu  12  Monat  und  Gustav  Keßler  zu  3  Monat,
der  Redakteur  der  „Gazeta  Robotnicza",  Josef  Woicziköwski,  zu  4  Monat
Gefängnis  verurteilt.  In  diese  Zeit  fällt  auch  der  Versuch,  den  Drucker
Max  Bading  für  den  Inhalt  einer  in  seiner  Druckerei  hergestellten  Druckschrift ­
  —  die  Märznummer  des  „Vorwärts"  vom  Jahre  1895  —  unbekümmert ­
  darum  verantwortlich  zu  machen,  daß  die  Nummer  vom  verantworlichen
  Redakteur  regelrecht  gezeichnet  war.  Dann  beginnt  eine  mehrjährige ­
  Pause  verhältnismäßiger  Ruhe,  bis  das  neue  Jahrhundert  wieder
einen  Lage!  von  Verurteilungen  über  Redakteure  des  „Vorwärts"  bringt.
Karl  Leid  wird  zu  zusammen  15  Monat,  Paul  John  zu  13  Monat,
Julius  Kaliski  zu  8  Monat,  Robert  Schmidt  zu  6  Monat  und
Wilhelm  Schröder  zu  4  Monat  Gefängnis  verurteilt,  von  Strafen  unter
3  Monat  und  Geldbußen  gar  nicht  zu  reden.
Indes  gibt  die  Liste  der  Freiheits-  und  Geldstrafen  nur  ein  Bild  der
Opfer,  die  der  Bewegung  und  ihren  Streitern  von  Gegnern  auferlegt
wurden.  And  sie  gibt  nicht  einmal  hierin  ein  vollständiges  Bild,  denn  es
kommen  zu  den  durch  Gerichtsspruch  verhängten  Strafen  noch  hinzu  die
Maßregelungen  durch  Prinzipale  und  Vorgesetzte  in  Form  von  Entlassung
aus  der  Arbeit,  Übergehung  bei  Beförderungen  und  Gehaltsaufb  esserungen
und  ähnliche  wirtschaftliche  Schädigungen  mehr.  Es  dürfen  nicht  übergangen
werden  die  seelischen  und  materiellen  Schädigungen  durch  das  Einstecken  und
oft  rücksichtslose  Zurückhalten  in  Antersuchungshaft,  wofür  ein  besonders
krasses,  aber  selbst  in  seiner  Art  durchaus  nicht  einzig  dastehendes  Beispiel
das  im  Jahre  1892  gegen  Leinrich  Peus  beobachtete  Verfahren  war,  der
trotz  Linweises  auf  die  stündlich  zu  erwartende  Niederkunft  seiner  jungen  Frau
in  durch  nichts  gebotener  Antersuchungshaft  gehalten  wurde,  bis  die  arme
Frau  ihren  Kindsbettnöten  erlegen  war.  Lierher  gehört  ferner  die  Ausstoßung ­
  Arthur  Stadthagens  aus  dem  Anwaltstand,  bei  der  dessen
Schriftsätze  über  das  gegen  Peus  geübte  Verfahren  eine  große  Rolle  spielten.
And  man  kann  nicht  von  Opfern  reden,  ohne  der  ungeheuren  Summe
von  Opfern  an  Geldmitteln  unb  Arbeitskraft  zu  gedenken,  die  den
Kämpfenden  nicht  auferlegt,  sondern  von  ihnen  für  die  verfochtene  Sache
freiwillig  dargebracht  wurden.  Auch  ihnen  gegenüber  versagt  die
statistische  Berechnung,  da  der  geringste  Teil  von  ihnen  zur  öffentlichen
Kenntnis  kommt  und  außerdem  im  Einzelfall  nicht  die  Löhe  der  Leistung,
sondern  ihr  Verhältnis  zur  Leistungsfähigkeit  des  Darbringers  die  Größe
des  Opfers  ausmacht.  Scheinbar  unbedeutende  Beiträge  zu  Sammlungen,
die  Übernahme  der  Arbeit  des  Flugblattaustragens  oder  der  Lausagitation,
von  der  Arbeit  der  Bezirks-  und  Abteilungsführer  gar  nicht  zu  reden,  bedeuten
stets  den  Verzicht  auf  einen  Bruchteil  der  nicht  allzu  vielen  Genüsse,  die
dem  Arbeiter  zur  Verfügung  stehen,  in  nicht  wenigen  Fällen  aber  auch
Opfer  an  Notwendigkeiten  der  Ernährung  und  Körperpflege.  Man  vergißt
das  leicht,  weil  diese  Opfer  in  so  großer  Zahl  gebracht  werden,  daß  sie
den  meisten  schon  als  Alltäglichkeiten  erscheinen.  Aber  diese  Alltäglichkeit
nimmt  ihnen  absolut  nichts  von  ihrer  Größe:  ist  doch  vielmehr  sie  selbst
gerade  einer  der  großartigsten  Züge  der  Bewegung.  Sie  ist  der  sicherste
Beweis  ihrer  inneren  Festigkeit,  ihrer  nicht  zu  lockernden  Verankerung  im
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