Full text : Das Kontokorrentgeschäft im deutschen Bankgewerbe

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durch  das  moderne  Rechnungswesen  in  ausgedehntem  Masse
erst  ermöglicht 1 ).  Wenn  indes  in  dieser  Zeit  verschiedene
Formen  der  laufenden  Rechnung  nicht  zur  vollen  Entfaltung
gelangen  konnten,  so  war  eine  Massnahme  daran  schuld,  welche
den  natürlichen  Lauf  der  Dinge  durch  künstliche  Schranken
hemmte,  das  kanonische  Zinsverbot.  Wurde  es  auch,  wie  bekannt, ­
  sehr  häufig  umgangen,  so  musste  es  doch  zur  Folge
haben,  dass  nur  diejenigen  Formen  der  laufenden  Rechnung,
welche  vornehmlich  den  Zwecken  des  Zahlungsverkehrs  und
der  ZahlungsVermittlung  dienen,  zur  Blüte  gelangen  konnten,
wie  das  Depositen-  uud  Girogeschäft 2 ).  Diese  beiden  Formen
der  laufenden  Rechnung  sollten  auch  in  der  Folgezeit  noch
aus  einem  anderen  Grunde  von  grosser  Wichtigkeit  werden  und
zwar  ganz  besonders  für  die  Niederländer  und  die  Deutschen.
Beide  Völker  hatten  unter  den  Münzwirren  viel  zu  leiden.
Um  aber  den  Ansprüchen  des  grossen  Handels  überhaupt  genügen ­
  zu  können,  bedurften  sie  einer  brauchbaren  Währungseinheit, ­
  die  von  den  Münzwirren  der  Umgebung  verschont
blieb.  Diese  Einheit  wurde  auf  dem  Wege  einer  Umschreibebank ­
  hergestellt,  indem  für  den  Bedarf  des  Handels  eine  nicht
in  den  Verkehr  hinaustretende,  lediglich  in  den  Büchern  der
Bank  vorhandene  Einheit  Silber  auf  Grund  des  in  der  Bank
niedergelegten  Edelmetalls  die  Währung  darstellte 3 ).  Von  den
Banken,  welche  sich  in  dieser  Hinsicht  hervortaten,  seien  besonders ­
  die  Girobanken  von  Amsterdam 4 )  und  Hamburg,  beide
in  der  ersten  Hälfte  des  17.  Jahrhunderts  gegründet,  hervor-')

  Vgl.  Goldschmidt  a.  a.  0.  S.  245  ff.  Veit  Simon,  Die
Bilanzen  der  Aktiengesellschaften.  Berlin  1898.  S.  29  ff.
2 )  Vgl.  auch  die  interessante  Arbeit  von  Erwin  Nasse:  Das
venetianische  Bankwesen  im  14.,  15.  und  16.  Jahrhundert  in  Conrads  Jahrbüchern ­
  für  Nationalökonomie  und  Statistik  Bd.  XXXIV.  Jena  1879.  S.  329.
a )  Gustav  Cohn  a.  a.  0.  S.  569.
4 )  Es  ist  nicht  ganz  sicher,  obzwar  die  Vermutung  naheliegt,  dass
das  Beispiel  der  Banken  zu  Venedig,  Genua  und  Barcelona  irgendwelchen
Einfluss  auf  das  Entstehen  und  die  Einrichtungen  des  holländischen  Bankinstituts ­
  geäussert  hat.  Soetbeer  wenigstens  bestreitet  jeglichen,  auch
nur  den  geringsten  Zusammenhang.  Vgl.  darüber  seinen  Aufsatz:  Die
Hamburger  Bank,  1619—1866,  in  der  Vierteljahrsschrift  für  Volkswirtschaft ­
  und  Kulturgeschichte.  III.  Bd.  Berlin  1866.  S.  23.
            
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