Full text : Das Kontokorrentgeschäft im deutschen Bankgewerbe

26

die  modernen  Girobanken  ihren  Hauptzweck  in  der  grösstmöglichen
  Konzentration  des  Zahlungswesens  behufs  Ersparung
von  Umlaufsmitteln.  Der  Vorzug  vor  der  Anwendung  des
Schecks  beruht  hier  darauf,  dass  die  Schuldentilgung  mit  der
Abschreibung  auf  dem  Konto  erledigt  ist;  beim  Scheck  ist
dies  jedoch  erst  nach  Barzahlung  desselben  der  Fall.  Verlust
und  Irrtum  sind  hier  noch  viel  weniger  leicht  möglich,  als
beim  Scheck.  Der  Scheck  bildet  auch  nicht  das  Ideal  des
Zahlungswesens.  Er  bietet  zunächst  bloss  dem  Zahlenden  eine
Bequemlichkeit,  nicht  dem  Empfänger,  welcher  bei  dem  Bezogenen ­
  die  angewiesene  Summe  abheben  bezw.  eine  dritte
Person  mit  der  Abhebuug  beauftragen  muss 1 ).  Dies  ist  beim
Giroverkehr  anders.  Man  bedient  sich  eben  des  Schecks  dann,
wenn  man  entweder  Abhebungen  machen  will,  oder  wenn  die
Personen,  die  sich  gegenseitig  Zahlungen  zu  leisten  haben,  nicht
derselben  Bank  angehören  *  2  *  *  *  * ).  Voraussetzung  eines  gewaltigen
Giroverkehrs  ist  das  sogen.  Einbanksystem  mit  sehr  vielen
Filialen 8 ).  Dies  sehen  wir  ganz  besonders  bei  der  Reichsbank,
bei  der  diese  Form  der  laufenden  Rechnung  eine  solche  Ausdehnung ­
  erlangt  hat,  dass  schon  ihr  erster  Verwaltungsbericht
mitteilen  konnte,  ganz  Deutschland  sei  auf  diese  Weise  „ein
Giroplatz“  geworden.
Wir  wollen  jetzt  ganz  kurz  die  Technik  des  Giro-*)

  Thorwart  a.  a.  0.  S.  27.
2 )  Der  Giroverkehr  schaltet  somit  den  Scheckverkehr  keineswegs
aus,  was  Schinkel  anzunehmen  scheint,  wenn  er  sagt:  „Wenn  es  in
Deutschland  auch  jetzt  noch  viele  begeisterte  Anhänger  des  englischen
Schecks3 7 stems  gibt,  die  demselben  gerne  auch  in  Deutschland  mehr  Eingang ­
  verschaffen  möchten,  so  ist  dieses  bei  vielen  auf  eine  früher  vielleicht ­
  berechtigt  gewesene  Anglomanie  zurückzuführen  u.  s.  w.“  Reichsbank ­
  und  Giroverkehr.  Hamburg  1898.  S.  8.
*)  Eine  Ausnahme  hievon  macht  Hamburg.  Hier  sind  es  fünf  grosse
Bankhäuser,  welche  mit  ihren  Zweig-  und  Unteranstalten  sich  des  genannten ­
  Giroverkehrs  bedienen.  Diese  Banken  sind:  die  Norddeutsche
Bank  in  Hamburg,  die  Vereinsbank  in  Hamburg,  die  Kommei'z-  und  Diskontobank, ­
  die  Hamburger  Filiale  der  Deutschen  Bank,  die  Hamburger
Filiale  der  Dresdener  Bank.  In  ihrem  Mittelpunkte  steht  die  Reichsbankhauptstelle ­
  in  Hamburg.  Vgl.  Dunker,  „Gold  ersparende  Zahlungsmethoden“ ­
  in  den  Annalen  des  Deutschen  Reichs.  1901.  S.  449.  Daselbst ­
  findet  sich  auch  reiches  statistisches  Material.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.