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diejenige Kategorie von Lohnarbeitern, die als Clesinde bezeichnet wird.
Zwar werden manchmal auch die Monats- und Jahresarbeiter in den
Fällen eines grossen Bedarfes an Arbeitskräften für die Feldarbeiten ver
wendet, doch ist das nicht ihre spezielle Bestimmung.
Manchmal werden Arbeiter von Anfang an auf einen Monat für
die Feldarbeit gedungen, doch kam dies schon früher in den neurussischen
Gouvernements immer selten vor. Wie wir schon oftmals betont haben,
verdrängen die Taglöhner für Feldarbeiten alle anderen Kategorien
von Arbeitern. Bevor wir zur Betrachtung über die Höhe und die
Schwankungen der Monats- und Jahresarbeitslöhne übergehen, müssen
wir zuerst einige Bemerkungen über unsere Quellen machen. Die
jährlichen Sammlungen des Ackerbauministeriums geben fast keine Angaben
über diese Art von Arbeitslöhnen. Was die Gouverneurberichte anbetrifft,
so haben sie zu allen übrigen noch den Mangel, dass ihre Angaben
zwar für die verschiedenen Jahreszeiten, aber nicht für die einzelnen
Monate berechnet werden und somit sehr leicht eine falsche Vorstellung
geben können. Indem wir also diese Quelle zum Vergleich benützen,
haben wir die Monats- und Jahresarbeitslöhne fast ausschliesslich auf
Grund der in den Semstwoberichten für das Gouv. Cherson mitgeteilten
Materialien zusammengestellt und untersucht.
Sowohl Monatsarbeiter, als auch Jahresarbeiter werden in drei
Kategorien geteilt: Vollarbeiter, Frauen und Burschen, ln den letzten
Jahren finden wir Halbarbeiter und Frauen von einander getrennt, aber
die Differenz zwischen ihren Löhnen ist so gering, das sie noch immer
als eine und dieselbe Gruppe betrachtet werden können.
Die Monats- und Jahresarbeiter werden immer bei Verköstigung
durch den Arbeitgeber gemietet.
ln der Tabelle LXXV1 (im Anhang) findet man die durchschnittlichen
Lohnsätze für die Zehnjahrsperiode 1893—1903 für alle Monate und für
alle Arten von Arbeitern in allen sechs Kreisen des Gouv. Cherson.
Wie aus dieser Tabelle leicht zu sehen ist, unterscheiden sich
die Monatslohnsätze aller Arbeiterkategorien erheblich. Verfolgt man
diese Bewegungen von einem Monat zum anderen von den Wintermonaten
angefangen, so sieht man, dass die Löhne am niedrigsten in den Winter
monaten stehen und dann immer mehr und mehr steigen, je näher der
Sommer rückt; im Juni resp. Juli erreichen sie dann ihren höchsten
Punkt und werden von da ab immer niedriger, je mehr sich die Winter
monate nähern. Den Jahreszeitenwechsel änlich, bilden auch die Monats
lohnsätze einen in sich geschlossenen Kreis.