Full text : Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

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Erst  in  den  neurussischen  Gouvernements  treffen  die  Wanderarbeiter
auf  die  Naturalverpflegungsstationen.  Hier  finden  sie  eine  Volksküche
mit  Speisehalle,  einen  Arzt  mit  mehreren  Studenten  als  Assistenten  und
ein  kleines  Ambulatorium.  Hier  werden  die  Wanderarbeiter  von  den
Aerzten  untersucht  und  im  Krankheitsfalle  behandelt.  Die  Hauptsache
aber  bildet  die  Volksküche,  wo  die  Wanderarbeiter  zum  ersten  AAale  nach
mehreren  Wochen  des  Wanderns  warmes  Essen  erhalten.  Aber  nicht
alle  können  die  Volksküche  benützen.  Es  werden  zwar  viele  Speisen
gratis  gegeben,  dennoch  müssen  sich  viele  der  Kosten  halber  entweder
nur  mit  dem  Tee  begnügen  oder  überhaupt  an  diesen  Stationen  Vorbeigehen. ­
  So  bekamen  auf  den  Naturalverpflegungsstationen  im  Gouv.

Cherson  kostenfreie  Mittage:

(Tabelle  LXXXV)
im  Jahre:  in  %:

Zahl  der  überhaupt  beköstigten
Wanderarbeiter:

1895

5,5

95  059

1897

5,4

26  729

1898

4,3

19  177

1899

9,3

7  542

1900

17,76

19  231

1901

12,5

14  748

1902

13,4

15  323

Aber  auch  von  denjenigen,  die  in  den  Volksküchen  essen,  nehmen
die  meisten  entweder  billigere  Mittagsportionen  ä  2  Kop.  oder  ein  Mittagessen ­
  auf  je  zwei  oder  drei  Personen.  So  kamen  z.  B.  im  Jahre  1900
auf  eine  Person  im  Durchschnitt  0,85  einer  Mittagsportion.  Das  ganze
Menu  zu  3  Kop.  besteht  aus  Beetensuppe, 1 )  Brei  und  Brot.  Von  allen
verköstigten  Wanderarbeitern  nahmen  ein  solches  ganzes  Menu  im
Jahre  1900  34  °/ 0 ,  im  Jahre  1901  31,1  °/ 0  und  im  Jahre  1902  36,9  (> /o-Die
  meisten  trinken  nur  Tee.  So  haben  von  allen  eingetragenen  Arbeitern
Tee  getrunken:  im  Jahre  1895  41  °/ 0 ,  im  Jahre  1899  62,3  °/o,  1900
79,1  °/o,  1901  77,8  °/o  und  1902  92,3  %-  Man  soll  nicht  vergessen,  dass
diese  Angaben  nur  diejenigen  Wanderarbeiter  betreffen,  die  auf  den
Natural  Verpflegungsstationen  eingetragen  wurden.  Viele  aber  kommen
überhaupt  nicht  auf  diese  Stationen  oder  benützen  sie  nicht.
Zu  solcher  schlechten  Nahrung  kommen  noch  Krankheiten  dazu,
die  meistens  nur  als  Folge  dieser  kläglichen  Nahrungszustände  anzusehen
9  D.  h.  eine  aus  gesäuerten  Beeten,  etwas  Fleisch  und  Schweinfett  gekochte  Suppe
(russisch:  Borstsch).
            
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