Full text: Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

155 
sind voll Würmer.') Die Arbeitgeber kaufen entweder angefaultes Fleisch 
oder sie verbrauchen die kranken, notgeschlachteten Schafe oder Schweine 
als Nahrungsmittel für die Arbeiter. Das Brot, das von den Arbeitern 
«Mist» genannt wird, ist «schwärzer als Erde» und vertrocknet. Es wird 
aus Kleien oder aus Mehl von Getreiderückständen gefertigt, die beim 
Schwängen des Getreides von der Putzmaschine ausgeschüttet werden. 
Küchenschaben und andere Insekten bilden keine seltene Zugabe! Kar 
toffeln werden mit den Schalen gekocht. Alles wird sehr unrein in alten 
Gefässen und Kochtöpfen zubereitet, die mehrere Wochen nicht geputzt 
werden.» 2 ) Am scheusslichsten ist das Wasser, das die Arbeiter trinken 
müssen. Da, wo Wasserquellen sind, wird das Wasser aus diesen 
Quellen in unreinen Töpfen den Arbeitern auf das Feld gebracht. In den 
südlichen Steppen sind aber die Wasserquellen sehr selten. Da errichten 
die Arbeitgeber einen künstlichen Wasserbehälter, indem sie ein mittel 
grosses Bassin im Boden ausgraben. Das Bassin wird mit Ziegel und 
Zement gepflastert. Man bringt das Wasser aus entfernteren Wasser 
quellen herbei und giesst es in ein solches Bassin hinein. Das Wasser 
dient einige Wochen, «ln den heissen Tagen» — schreibt der Arzt — 
«stinkt das Wasser so stark, dass es unmöglich ist, es zu trinken, oder 
auch nur als Waschwasser zu gebrauchen.» 
Dank solchen Nahrungszuständen finden sich auch unter den ein 
heimischen, besonders unter den ständigen Arbeitern viele Kranke. So 
berichtet man aus dem Gouv. Ekaterinoslaw, dass im Kreise Alexandrowsk 
die Zahl der an Skorbut leidenden Arbeiter die Zahl der überhaupt an 
dieser Krankheit Leidenden in den drei benachbarten Gouvernements 
übertrifft. Zur Zeit der Arbeit werden manchmal mehr Arbeiter krank, 
als beim Wandern. Es kommt zwischen Arbeitern und Arbeitgebern sehr 
häufig zum Streit der schlechten Nahrungsmittel wegen. 
§ VII. Wohnungsverhältnisse. 
1. Wohnungsverhältnisse der Wanderarbeiter. 
Es ist etwas schwer, von den Wohnungen der Wanderarbeiter 
zu sprechen, da sie auf der Wanderung fast gar keine Wohnungen 
haben. 
Vor der Auswanderung aus ihren Heimatdörfern müssen die Bauern, 
besonders in den zentralrussischen Gouvernements, — um die Geldmittel 
q «Nascha Scliisn» 1906 N. 241: Die Landarbeiter in Südrussland. 
2) a, a. D.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.