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kräften. In der Tabelle LXXXIX sind die Tagelöhne für Heuernfearbeiten
und die Schwankungen der Heuernte in den Jahren 1885—1904 an
gegeben.
Noch interessanter sind die Bewegungen der Tagelöhne zur Zeit
der Qetreideerntearbeiten im Verhältnis zu den Schwankungen der Ge
treideernte. Wie man aus der Tabelle XC und Diagramm sieht, laufen
die Schwankungen der Tagelöhne und der Getreideernte vollständig
parallel. Die höchsten Tagelöhne kommen auf die Jahre der reichlich
sten Getreideernten, die niedrigsten Tagelöhne auf die Jahre der grössten
Missernten. Die Zeit der Getreideernte ist die Zeitperiode, wo die Ar
beitskräfte am notwendigsten, wo die Arbeiten am schwersten und am
dringlichsten sind. Jede Minute des Versäumens kann sehr leicht grossen
Schaden verursachen. Zu dieser Zeit wird ein Mangel an Arbeitskräften
am stärksten empfunden, die Gutsbesitzer sind geneigt, grössere Löhne
zu bezahlen, nur um sich die nötigen Arbeitskräfte zu verschaffen. Zur
Zeit der grossen Ernte werden die Arbeiter am dringendsten gesucht,
und mögen noch so viele Massen hinströmen, Sie können alle Arbeit
finden. In den Jahren der Missernte werden die Arbeiter überzählig;
man verrichtet die Mehrzahl der Arbeiten teils mit Hilfe der einheimischen
Arbeiter oder des Gesindes, teils mit Hinzuziehung von Monats- und
Jahresarbeitern. Diese völlige, ausgeprägte Abhängigkeit der Arbeits
löhne zur Zeit der Heu- und insbesondere der Getreideernte von den
Zuständen der Ernte resp. Missernte in demselben Jahr äussert sich auch
in den Schwankungen der Frist- und Monatslöhne.
Wie wir schon aus der Betrachtung der Fristlöhne gesehen haben,
schwanken diese bedeutend. Da die Fristarbeiter am meisten für die
Heu- und Getreideernten gedungen werden, so spielt in der Feststellung
der Höhe der Fristlöhne der Zustand der Heu- resp. Getreideernte die
wichtigste Rolle. Auch auf die Frist- und Monatslöhne (in den Fällen,
wenn diese letzten nicht für Dienstboten, sondern für Feldarbeiter bezahlt
werden) wirkt der Bedarf der Gutsbesitzer an Arbeitskräften. Dadurch
ist die Eigentümlichkeit in den Schwankungen der Fristlöhne zu erklären,
die wir bei ihrer Betrachtung gesehen haben. Wie schon oben gezeigt,
stehen manchmal die Fristlöhne für einen kürzeren Zeitraum höher, als
die für einen längeren. So z. B. werden oft die Arbeiter, die sich vom
Mai oder sogar vom Juni bis zum 1. Oktober verdingen, besser bezahlt,
als die Arbeiter, die sich schon im März oder April verdungen haben.
Dies erklärt sich daraus, dass im März oder April die Ernteaussichten
und der Bedarf an Arbeitskräften noch ungewiss sind. Da die Arbeiter
sich fürchten, die Arbeitsgelegenheit zu versäumen, sind sie bereit, sich