Full text : Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

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Wir  haben  keine  Angaben  darüber,  wie  sich  das  den  «Schenkungsbauern» ­
  gehörende  Land  auf  die  einzelnen  Kulturarten  verteilt.  Es  ist
aber  leicht  zu  sehen,  wie  ungenügend  vor  allem  Weide-  und  Wiesenland
sein  müssen.  Entweder  bewirtschaften  diese  Bauern  ihr  Land  genossenschaftsweise, ­
  wozu  aber,  wenn  auch  nur  minimales  Inventar  nötig  ist,
oder  was  am  meisten  der  Fall  ist,  sie  betreiben  ihre  Wirtschaft  in  minimalstem ­
  Masse  und  verdingen  sich  in  der  Regel  als  Lohnarbeiter.  Es
steht  ihnen  fortwährend  die  Wahl  vor  Augen  —  entweder  ihr  Landstück
ganz  zu  verlassen,  es  jemanden  von  ihren  Dorfgenossen  zu  übergeben
und  zu  einer  anderen  Beschäftigung  —  am  meisten  der  freien  Lohnarbeit
—  zu  greifen,  oder  ihr  Land  trotz  alledem  doch  zu  bewirtschaften  und
als  Nebenerwerb  die  Lohnarbeit  zu  ergreifen.  Im  letzten  Falle  bekommen
sie  von  ihrem  Gutsherrn  oder  von  ihren  Dorfgenossen  —  irgend  einem
reicheren  Bauern  —  verschiedene  Vergünstigungen,  die  für  die  Erhaltung
ihrer  Wirtschaft  unentbehrlich  sind.  Da  sie  aber  immer  unter  dem
Mangel  an  Geldmitteln  leiden,  so  müssen  sie  statt  mit  barem  Geld  mit
ihrer  Arbeit  für  alle  diese  Vergünstigungen  bezahlen.  Je  bedrängter  die
Lage  eines  solchen  «Schenkungsbauern»  wird,  desto  mehr  wird  ihre
Arbeit  unterschätzt,  desto  schwieriger  wird  die  Lage  ihrer  eigenen
Wirtschaft,  desto  mehr  gehören  sie  ihrer  sozialen  Stellung  nach  zu  den
Lohnarbeitern.  Dies  sind  die  Bauern,  die  die  einheimischen  Lohnarbeiter
liefern  und  zwar  für  Naturallohn  und  die  unter  den  ungünstigsten  Bedingungen ­
  arbeiten  müssen.
Alle  bis  jetzt  besprochenen  Bauernkategorien  gehören  mehr  oder
weniger  zu  den  besitzenden  Bauern.  Bevor  wir  zur  Betrachtung  derjenigen ­
  Bauern  übergehen,  die  zu  den  vollständig  besitzlosen  gerechnet
werden  müssen,  ist  es  hier  am  Platz,  die  Frage  aufzuwerfen,  ob  die
eigene  Wirtschaft  bei  diesen  Bauernkategorien  ihre  einzige  Erwerbsquelle
bildet  und  inwieweit  sie  eventuell  zu  anderen  Erwerbsquellen  greifen
müssen.
Um  diese  Frage  zu  beantworten,  untersuchen  wir  hier  das  Budget
der  bäuerlichen  Wirtschaft.  Das  Haushaltungsbudget  einer  bäuerlichen
Wirtschaft  eines  ähnlichen  Wohlzustandes  gestaltet  sich  im  Gouv.  Cherson
folgendermassen: 1 )

')  Die  Semstwostatistik  hat  bis  jetzt  bezüglich  der  neurussischen  Qouvernements
Budgets  der  bäuerlichen  Wirtschaften  fast  ausschliesslich  im  Qouv.  Cherson  untersucht. ­
  Die  oben  angeführten  Angaben  wurden  durch  die  Semstwoverwaltung  in  den
Jahren  1880  und  1900  auf  Grund  der  Untersuchung  von  26  Bauernhöfen  mit  823  Menschen
zusammengestellt.  Die  Angaben  sind  in  den  Materialien  der  Regierungskommission  vom
Jahre  1901  veröffentlicht.
            
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