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zitätsindustrie hin. Nur die englische Kabelfabrikation
ist mustergültig, ln England wären alle materiellen
Bedingungen für die Entwicklung einer Elektrizitäts
industrie vorhanden: Arbeitskräfte, Rohmaterialien und
Kapital. Die Schwierigkeit liegt hier indessen im
Konservativismus des Engländers, der sich mit der Ein
führung moderner Arbeitsmaschinen nicht befreunden
kann.
Die nordamerikaniscfie elektrotechnische Industrie
hat einen glänzenden Entwicklungsgang durchlaufen.
Amerikas Fabrikate sind heute in allen Kulturstaaten
gut eingeführt; insbesondere sind es seine sogenannten
„Standards“, mit denen es den ganzen Weltmarkt über
schwemmt.*) Der amerikanische Ingenieur machte sich
stets nach dem Prinzip „handeln ist besser als forschen“
das neueste, was er auf deutschen und anderen Aus
stellungen sah, zu Nutze. Das Forschen wurde von den
Amerikanern stets gern in den Hintergrund gestellt.
Mit dem raschen Handeln sind sie auf dem Gebiete der
Elektrotechnik zu grossen Errungenschaften gelangt.
Einen Massstab für die Grösse der Leistungsfähigkeit
Nordamerikas auf dem Gebiete der Elektrotechnik konnte
allerdings die amerikanische Abteilung auf der Welt
ausstellung in Paris von 1900 nicht geben.
Die Schweiz war auf der Pariser Weltausstellung
mit ähnlichen Fabrikaten vertreten wie Deutschland.
Die Konstruktionen waren Schweizer Originale, nicht
Erstlingswerke, sondern vielfach mit Erfolg eingeführte
Maschinentypen. Die Fabrikate sind im allgemeinen
denen deutschen Ursprungs an Güte ebenbürtig. Hin
*) Vgl. die Ausführungen von Vanderlipp: Amerikas Eindringen
in das europäische Wirtschaftsgebiet. Berlin 1903.