Object: Vom Wirtschaftsgeist in Amerika

IV. Die Wirtschaftsmoral 
| RGENDWELCHE Urteile über die herrschende Wirt- 
A schaftsmoral abzugeben, die auf eine gewisse Allgemein- 
gültigkeit Anspruch erheben könnten, ist begreiflicherweise 
besonders schwierig. Dazu wären allenfalls solche in der Lage, 
die längere Zeit in verschiedenen Zweigen der Wirtschaft und 
auf verschiedenen Stufen tätig gewesen wären; während aber 
bei uns derartige Erfahrungen nur äußerst selten in die Lite- 
ratur einzudringen pflegen, ist dies in den Vereinigten Staaten 
doch in. einem relativ beträchtlichen Maße der Fall. Die dortige 
Geschäftsmoral hat sich bekanntlich in Europa keines be- 
sonders guten Rufes zu erfreuen gehabt, und namentlich die 
englische Presse hat sich oft höchst abfällig über Methoden 
geäußert, die sie „colonial”” fand. Von einem Engländer, der 
20 Jahre in Amerika gelebt hatte, ist einmal eingewandt 
worden, daß die höhere wirtschaftliche Ethik doch wohl in 
dem Lande gefunden werden müsse, in welchem Produktion 
und Handel als die ehrenvollste Laufbahn angesehen würden, 
und nicht dort, wo die Aristokratie eine Beschäftigung auf 
diesen Gebieten als unter ihrer Würde empfinde9. Als 
ein Symptom für einen höheren Standard der Redlichkeit 
wurde die Tatsache angeführt, daß geschäftliche Verhand- 
lungen und Abmachungen direkt zwischen den Parteien
	        
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