Full text : Grundzüge der Sozialpolitik

6.  Kapitel.  Mangel,  Verlust  und  Sicherung  der  Arbeitsgelegenheit.  107

Schaffung  großer  Anlagen  abzielen,  werden  zwar  mit  der  Beseitigung
der  Arbeitslosigkeit  nicht  eingestellt  ,  verlieren  aber  dadurch  den
Charakter  der  Notstandsarbeit  und  haben  alsdann  meist  mit  einem
umfassenden  Wechsel  des  Arbeiterpersonals  zu  rechnen.
Von  einem  ganz  anderen  Gesichtspunkt  aus  tritt  die  Arbeitsvermittelung ­
  und  der  Arbeitsnachweis  an  das  Problem  der  Arbeitslosigkeit
heran.  Hier  handelt  es  sich  um  eine  Tätigkeit,  die  dem  Eintreten
größerer  Arbeitslosigkeit  in  gewissem  Umfange  vorzubeugen  befähigt
ist  dadurch,  daß  sie  ständig  auf  einen  Ausgleich  zwischen  Angebot  und
Nachfrage  auf  dem  Arbeitsmarkte  hin  wirkt.  Dadurch  kann  bei  zweckmäßiger ­
  Gestaltung  und  Organisation  des  Arbeitsnachweises  eine
bessere,  dem  tatsächlichen  Bedarf  mehr  angepaßte  berufliche,  zeitliche
und  örtliche  Verteilung  der  Arbeitskräfte  eintreten,  und  das  vermindert
die  Gefahr  einer  ausgedehnteren  Arbeitslosigkeit.
Arbeitsvermittelung  und  Arbeitsnachweis  sind  nicht  die  einzigen
Wege,  auf  denen  der  Arbeiter  eine  Arbeitsgelegenheit  finden  kann.
An  sich  liegt  es  dem  Arbeiter  näher,  sich  selbst  die  Arbeitsgelegenheit
zu  suchen.  Das  kann  geschehen,  indem  er  sich  unmittelbar  persönlich
oder  schriftlich  an  Arbeitgeber  wendet,  die  er  entweder  aufs  Geratewohl ­
  oder  nach  vorheriger  Prüfung  der  in  den  öffentlichen  Blättern
angezeigten  offenen  Arbeitsstellen  aufsucht.  Er  kann  aber  auch
seine  Arbeitskraft  durch  "Anzeige  in  den  Blättern  anbieten.  Eine
Arbeitsvermittelung  —  man  hat  auf  dieses  Verfahren  die  Bezeichnung
„ungeregelte  Arbeitsvermittelung“  anwenden  wollen  —  liegt  hier  in
Wirklichkeit  nicht  vor.  Denn  die  Arbeitsvermittelung  setzt  das  Eingreifen ­
  einer  Person  oder  einer  privaten  oder  amtlichen  Organisation
voraus,  die  zwischen  Angebot  und  Nachfrage  an  Arbeitskräften  Beziehungen ­
  herzustellen  sucht  und  dazu  befähigt  ist,  weil  bei  ihr
ein  gewisses  Zusammendrängen  des  Angebots  und  der  Nachfrage  stattfindet, ­
  Solcher  Vermittelung  bedarf  es,  weil  der  Arbeiter,  der  Arbeitsgelegenheit ­
  sucht,  vielfach  entweder  überhaupt  nicht  oder  doch  unter
zu  großen  Schwierigkeiten,  Opfern,  Entbehrungen  und  Enttäuschungen
zum  Ziele  gelangt.  Ihm  fehlt  der  Überblick  über  die  Lage  des  Arbeitsmarktes ­
  sowohl  des  Berufes  als  auch  des  Bezirkes.  Den  Überblick
kann  der  nicht  haben,  der  gelegentlich  eine  Arbeitsstelle  suchen  muß.
Dazu  gehört  eine  ständige  Beobachtung  des  Arbeitsmarktes  und  ein
dauerndes  Vereinigen  eines  nennenswerten  Bruchteils  der  Arbeiterangebote ­
  und  der  Arbeiternachfragen.
Wie  an  vielen  anderen  Stellen  des  Wirtschaftslebens,  an  denen
eine  ähnliche  Sachlage  zu  Tage  tritt,  hat  sich  auch  hier  ein  berufsmäßiges ­
  Vermittlertum  entwickelt,  die  zu  Erwerbszwecken  betriebene
Arbeitsstellenvermittelung.  An  sich  ist  das  ein  sehr  naheliegender
Weg.  Er  ist  denn  auch  in  großem  Umfange  beschritten  worden.  In
            
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