Full text : Grundzüge der Sozialpolitik

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II.  Teil.  Arbeiterwohlfahrtspolitik.

Regierungen  um  baldige  Vorlegung  eines  Gesetzentwurfs  ersucht  wurden.
In  diesem  sollte  bestimmt  werden,  daß  auf  Antrag  und  nach  Anhörung
einer  entsprechenden  Anzahl  beteiligter  Arbeitgeber  und  Arbeitnehmer
die  Gemeinden  bezw.  die  weiteren  Kommunalverbände  durch  die
Landeszentralbehörde  zur  Errichtung  und  Unterhaltung  kommunaler
Arbeitsnachweise  unter  paritätischer  Verwaltung  von  Arbeitgebern
und  Arbeitnehmern  und  unter  Vorsitz  eines  Unparteiischen  angehalten
werden  können.  Die  Resolution  wurde  nicht  angenommen;  auch  die
sozialdemokratischen  Abgeordneten  waren  dagegen.
Die  Zahl  der  kommunalen  Arbeitsnachweisstellen  hat  sich  in
Deutschland  im  ganzen  beträchtlich  vermehrt.  Nach  den  Übersichten
des  preußischen  Ministeriums  für  Handel  und  Gewerbe  bestanden  in
Preußen  am  1.  Jan.  1901:  204,  am  1.  Jan.  1902:  222  und  am  1.  Jan.  1903:
263  kommunale  oder  mit  kommunaler  Unterstützung  betriebene  Arbeitsnachweise; ­
  darunter  waren  am  1.  Jan.  1903:  181  und  ein  Jahr  vorher
170  kommunale  Anstalten.  Von  den  181  kommunalen  Anstalten  am
1.  Jan.  1903  hatten  141  eine  bureaukratische  und  40  eine  kollegiale
Verwaltung.  Die  Vermittelung  ist  meist  unentgeltlich.  Die  Gesamtergebnisse

  waren:

ArbeitgeberArbeiter ­

 ­



gesuche

gesuche

Stellen

1899

242  070

260130

169643

1900

272701

341402

185917

1901

262  035

426  279

191  847

1902

294  391

498674

221263

In  Bayern  gab

es  Anfang

1903  in  54  Gemeinden  Arbeitnachweisstellen;

  sie  hatten  —

-  einschließlich  der  in  München  neben  dem  städtischen

Arbeitsnachweisamt  bestehenden  Facharbeitsnachweise—  1892:  89920
Stellen  besetzt  (davon  17  778  im  auswärtigen  Verkehr),  während  128844
Stellen  angeboten  und  178365  gesucht  worden  waren.  In  Württemberg ­
  bestanden  Ende  1902:  15  Arbeitsnachweisämter.  Sie  vermittelten
1902  im  ganzen  35102  Stellen  bei  51564  Angeboten  und  99798  Stellengesuchen. ­
  In  Baden  waren  Ende  1902:  12  Nachweisstellen  vorhanden,
in  Elsaß-Lothringen  15  usw.
Das  Bedürfnis,  durch  engere  Verbindung  der  Nachweisstellen  in
größeren  Bezirken  einen  besseren  Ausgleich  auf  den  Arbeitsmarkte
herbeizufübren,  war  in  Deutschland  von  Anfang  an  empfunden  worden.
Das  hat  Anlaß  zur  Bildung  von  Bezirks-  (und  Landes-)Verbänden  der
Arbeitsnachweisanstalten  gegeben.  Solche  Verbände  sind  entstanden
für  Württemberg  (1896),  Baden  (1896),  die  Pfalz  (1897),  den  Reg.-Bez.
  Düsseldorf  (1897),  für  einen  Teil  des  Reg.-Bez.  Minden,  für
Lippe-Detmold  und  einen  Teil  von  Hessen-Nassau  in  Bielefeld  (1897),
für  die  Rhein-  und  Maingegend  in  Frankfurt  a.  M.  (1898),  für  Bayern
(1898),  für  den  Reg.-Bez.  Liegnitz  (1900),  für  märkische  Arbeitsnach-
            
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