Nutzen und Wert (subjektiver) 9
den in bezug auf das „Wohl und Wehe des Subjekts‘* neutralen
technischen Eigenschaften der Dinge und vergißt dabei, daß da-
mit der genetische Zusammenhang zwischen dem subjektiven und
objektiven Wert verloren geht, den doch seine eigene Theorie
voraussetzt**, nn .
Wir haben also zwei Wertkategorien: die eine stellt eine
grundlegende, die andere eine abgeleitete Größe dar. Daher ist
es notwendig, zuerst die Theorie des subjektiven Wertes zu
prüfen. Dazu kommt, daß gerade in diesem Teil der Theorie die
meisten originellen Versuche unternommen wurden, die Wert-
lehre auf einer neuen Basis aufzubauen.
3. NUTZEN UND WERT (SUBJEKTIVER)
„Der leitende Begriff (der österreichischen Schule) ... ist der
Nutzen**.‘“ Während bei Marx der Nutzen nur die Bedingung
der Entstehung des Wertes ist, seine Höhe aber nicht beeinflußt,
wird bei Böhm-Bawerk der Wert vom Nutzen abgeleitet und
ist der unmittelbare Ausdruck desselben!*.
U Hierzu bemerkt Neumann: „Ob in Analogie zum Kauf- und zum
Ertragswerte in unserer Wissenschaft auch von Heiz-, Nähr-, Dün g-
wert usw. gesprochen werden darf, ist strittig.‘“ („Wirtschaftliche Grund-
begriffe“, Handbuch der Politischen Oekonomie, herausgeg. von Schönberg,
IV. Aufl., Bd. I., S. 169.)
Bestimmter drückt sich J. Lehr aus. Er erhebt Widerspruch gegen eine
derartige Vermengung und meint, daß man die politische Oekonomie „nicht
aus dem Auge verlieren (darf), daß der Wert immer für und durch den
Menschen existiert‘‘ (Conrads Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik,
N, F., 19. Bd., 1889, S. 22). Vgl. auch N. Dietzel: „Theoretische Sozialöko-
nomik“, S. 213—14.
Unter den bürgerlichen Gelehrten und ihrem Anhang zählt es zum guten
Ton, darauf hinzuweisen, daß Marx in seiner Werttheorie etwas grob mecha-
nisch-materialistisches zusammengebraut habe. Doch gibt es Materialismus
und Materialismus. Sofern der Marxsche Materialismus sich in seinem öko-
nomischen System äußert, führt er nicht nur zu keinem Warenfetischismus,
sondern im Gegenteil, er ermöglicht zum erstenmal seine Ueberwindung. Im
besonderen gehört der Wert bei Marx zu den gesellschaftlich gültige(n), also
objektive(n) Gedankenformen für die Produktionsverhältnisse dieser historisch
bestimmten gesellschaftlichen „Produktionsweise“ („Kapital‘; Bad. 1, 18:442).
Doch bedeutet hier „objektiv“ nicht „physisch‘“. Mit demselben Recht könnte
man auch die Sprache als etwas Physisches ansehen. Vgl. S. 39 des Bad. I
vom „Kapital‘, Ebenso Stolzmann: „Der Zweck“ ... S. 58.
» W.Sombart: „Zur Kritik des ökonomischen Systems von Karl Marx“,
Brauns Archiv, Bd. VII, S. 592.
*4 Darin war für manche Eklektiker ein Grund für die Annahme, daß die
Theorie der Klassiker und die Marxsche nicht etwa im „Widerspruch“ zu der
Österreichischen Schule stehe, sondern sie nur „vervollständige‘“., Siehe zum
Beispiel Dietzel: „Theoretische Sozialökonomik“‘, Leipzig 1895, S. 23. Diese
Herrschaften begreifen nicht einmal, daß bei Marx überhaupt kein einziger
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