Full text: Grundzüge der Sozialpolitik

366 
II. Teil. Arbeiterwohlfahrtspolitik. 
ist, von dem reinen Umlage verfahren allmählich zu einer Kapital 
deckung der Verpflichtungen der Versicherungsorgane überzuleiten. 
Für die Tiefbauberufsgenossenschaft war von vornherein ein Kapital 
deckungssystem vorgesehen derart, daß die nach Ablauf jedes Rech 
nungsjahres zu berechnenden und einzuziehenden Beiträge den Kapi 
talwert der im abgelaufenen Rechnungsjahr der Berufsgenossenschaft 
zur Last gefallenen Renten — außerdem natürlich Verwaltungs 
kosten usw. — decken. In den Unfallversicherungsanstalten, wie sie 
bei den 12 Hochbauberufsgenossenschaften und in der Tiefbaube 
rufsgenossenschaft für die Regiebauten bestehen, wird bei Bauar 
beiten von mindestens 6 tägiger Dauer der Kapitalwert der durch 
schnittlich zu erwartenden Unfälle von den Unternehmern gegen feste, 
im voraus bemessene Prämien nach Maßgabe eines alle 3 Jahre zu 
erneuernden Prämientarifes aufgebracht. Ebenso, jedoch mit 5 jähriger 
Feststellungsperiode, wird bei der Versicherungsanstalt, die für den 
Kleinbetrieb der Seeschiffahrt usw. in der Seeberufsgenossenschaft 
besteht, verfahren. 
Auf weitere Einzelheiten kann hier verzichtet werden, da es nur 
darauf ankommt, die wichtigsten Grundlagen und Grundsätze der 
obligatorischen Unfallversicherung darzulegen. Die tatsächliche Aus 
dehnung dieser Versicherung ist am größten in Österreich und 
Deutschland. 
Die österreichische Unfallversicherung umfaßte 1890: 893324 und 
1901: 1 725582 Versicherte in gewerblichen Betrieben mit einer Lohn 
summe von 470,52 und 1188,76 Millionen Kronen, und 338494 (1890) 
und 804 596 (1901) Versicherte in landwirtschaftlichen Motorenbetrieben 
mit 3,36 und 1 o,54 Millionen Kronen Lohnsumme. Im ganzen waren 
1890: 1231818 Personen mit 473,88 Millionen Kronen Lohnsumme und 
1901: 2530178 Personen mit 1199,30 Millionen Kronen Lohnsumme 
versichert. Entschädigt wurden 1901: 995 Unfälle mit tödlichem Aus 
gang, 6334 Unfälle mit dauernder und 16805 Unfälle mit vorüber 
gehender Erwerbsunfähigkeit, während 57 471 Unfälle in den ersten 
4 Wochen erledigt waren, also nur die Krankenkassen belasteten. 
Dauernde Renten wurden 1901 zuerkannt an: 
775 Witwen im Durchschnittsbetrage von 191,01 Kr. jährlich 
1480 Kinder „ „ „ 119,96 „ „ 
54 Aszendenten „ „ ,, 151,50 ,, „ 
408 dauernd ganz erwerbsunfähige Verletzte im Durchschnittsbetr. von 859,42 Kr. jährl. 
1 1 ö „ A* A’ r „ „ „ „ 456,(3 „ „ 
536 „ 7® A* » „ „ v n 330,14 „ „ 
1030 „ 2 A»-7° X „ „ „ „ 233,49 „ „ 
7515 „ über0—^/o „ „ „ „ 92,67 „ „ 
Im ganzen liefen Ende 1.901: 55 710 dauernde Renten mit einem 
Jahresbetrage von 9555 574 Kronen. Davon kamen:
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.