Full text : Grundzüge der Sozialpolitik

428

II.  Teil.  Arbeiterwohlfahrtspolitik.

Nur  der  kleinste  Teil  davon  hat  unbeschränkte  Solidarhaft.  Für  das
Jahr  1902  lagen  dem  „Allgemeinen  Verbände  der  auf  Selbsthilfe  beruhenden ­
  deutschen  Erwerbs-  und  Wirtschaftsgenossenschaften“  Berichte ­
  von  173  Baugenossenschaften  vor.  Von  diesen  bauen  22  kleinere
Wohnhäuser  für  den  Erwerb  durch  die  Mitglieder,  100  bauen  Häuser
mit  Mietwohnungen,  51  betätigen  sich  in  beiden  Bichtungen.  Das
Betriebskapital  aller  173  Genossenschaften  war  Ende  1902:  61,1  Mill.  M.
Die  Bauergebnisse  waren  für  1902  folgende:  Zum  Erwerbe  durch
Mitglieder  wurden  164  Häuser,  zum  Vermieten  257  Häuser  hergestellt,
zusammen  421  Häuser,  an  deren  Bau  96  Genossenschaften  beteiligt
waren.  In  384  dieser  Häuser  waren  2076  Wohnungen.  Bei  415  Häusern ­
  waren  die  Herstellungskosten  9.92  Mill.  M.
Die  Selbsthilfe  wird  zum  Teil  unterstüzt,  zum  Teil  durch  eigenen
Häuserbau  ergänzt  seitens  einer  Beihe  gemeinnütziger,  d.  h.  ohne  Erwerbsabsichteu
  vorgehender  Vereine,  Gesellschaften  und  Stiftungen
verschiedener  Art.  Zum  Teil  nehmen  ihre  Leistungen  den  Charakter
und  die  Form  eigentlicher  Wohltätigkeitsakte  an.  Es  ist  aber  durchaus ­
  möglich  —  und  nicht  minder  aus  manchen  Gründen  zweckmäßig  —,
das  nicht  als  Eegel  erscheinen  zu  lassen.  Der  Arbeiter,  der  seine
Arbeitskraft  zu  verwerten  Gelegenheit  hat,  kann  die  Miete  erschwingen,
wenn  sie  sich  in  vernünftigen  Grenzen  hält,  und  auch  bei  den  durch
gemeinnützige  Organe  hergestellten  Häusern  und  Wohnungen  müßte  in
der  Begel  die  Miete  auf  der  Höhe  gehalten  werden,  daß  eine  mäßige  Verzinsung ­
  des  Anlagekapitals  erzielt  wird.  Dadurch  wird  nicht  nur  das  berechtigte ­
  Selbstgefühl  des  Arbeiters  geschont,  sondern  auch  die  erweiterte
Bautätigkeit  des  gemeinnützigen  Organs  materiell  erleichtert.  Bei  Aktiengesellschaften ­
  und  Gesellschaften  mit  beschränkter  Haftung  die  sich  dem
Bau  von  Arbeiterwohnungen  widmen,  wird  hiernach  auch  häufig  verfahren.
Gemeinnützige  Baugesellschaften  sind  seit  Anfang  der  40  er  Jahre
des  19.  Jahrhunderts  in  England  in  größerer  Zahl  entstanden  und
finden  sich  auch  in  anderen  Kulturstaaten.  Erwähnt  sei  hier  nur
folgendes.  In  Belgien,  wo  nach  dem  Ausgeführten  Baugenossenschaften
selten  sind,  haben  sich  in  viel  größerer  Zahl  Aktiengesellschaften  der
Gewährung  von  Bauvorschüssen  für  Arbeiter  Wohnungen  und  dem  Bau
entsprechender  Häuser  gewidmet.  Ihre  Zahl  hat  im  letzten  Jahrzehnt
erheblich  zugenommen.  Ein  dem  6.  Internationalen  Wohnungskongreß
1902  vorgelegter  Bericht  beziffert  die  Aktiengesellschaften,  wie  folgt:

im  Jahre

für  Gewährung  von  Bauvorschüssen
für  Arbeiterwohnungen

für  Bau  von
wohnum

1891

5

1

1895

54

18

1896

62

18

1897

76

19

1898

86

25
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.