Full text : Grundzüge der Sozialpolitik

5.  Kapitel.  Träger  und  Organe  der  Sozialpolitik.

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zu  Reibungen  aus  der  Welt  zu  schaffen.  Das  Bedürfnis  der  Arbeiter
nach  Rechtsschutz  und  Rechtsbelehrung  darf  ebenso  wenig  zum  Vehikel
politischer  Agitationen  gemacht  werden,  wie  zum  Gegenstand  erwerbsmäßiger ­
  Ausnutzung.
Die  Einrichtung  der  Arbeitersekretariate  hat  namentlich  in  verschiedenen ­
  schweizerischen  Orten  Nachahmung  gefunden,  wenn  auch
zum  Teil  unter  anderer  Bezeichnung.  Sie  ist  aber  nicht  der  einzige
Weg,  dem  Bedürfnis  der  Arbeiter  nach  Rechtsschutz  und  Rechtsbelehrung ­
  zu  genügen.  Auch  eine  Reihe  gemeinnütziger  Organisationen
hat  derartige  Auskunftsorgane  geschaffen,  die  Gutes  leisten  können,
wenn  sie  sich  das  Vertrauen  der  Arbeiter  erwerben.  Weiter  haben
Vereinigungen  nicht  sozialdemokratischen  Charakters  Auskunftsstellen ­
  eingerichtet.  So  sind  von  katholischen  Arbeitervereinen
oder  besonderen  Komitees  in  katholischen  Gegenden  7  Arbeitersekretariate ­
  und  30  Volksbureaus  gegründet,  und  am  1.  April  1903  ist  zu
Berlin  vom  Verband  der  Volksbureaus  und  von  den  christlichen  Gewerkschaften ­
  ein  Zentralbureau  für  Arbeitervertretung  vor  dem  Reichsversicherungsamt ­
  errichtet  worden.  Die  Volksbureaus  sind  seit  der
2.  Hälfte  der  80  er  Jahre  aufgekommen.  Sie  lehnen  die  Verfolgung
rein  zivilrechtlicher  Ansprüche  ab.  Eins  der  älteren  Volksbureaus
ist  das  in  Aachen.  Es  besteht  seit  1893,  und  seine  Tätigkeit,
deren  Förderung  sich  der  Aachener  Verein  für  Volkswohlfahrt
wie  die  Behörden  angelegen  sein  ließen,  hat  eine  fortdauernd
aufsteigende  Entwickelung  genommen.  Nach  dem  Bericht  des  Gewerberates ­
  für  den  Regierungsbezirk  Aachen  erteilte  das  Volksbureau ­


1893  .  .

.  357

Auskünfte

1898  .  .

.  5373

Auskünfte

1894  .  .

.  1394

15

1899  .  .

.  7782

55

1895  .  .

.  2408

15

1900  .  .

.  9105

55

1896  .  .

.  3070

55

1901  .  .

.  10057

1897  .  .

.  4528

55

1902  .  .

.  11937

>5

In  München

haben

die  katholischen

Arbeitervereine

ein  Volks

bureau  errichtet,

das  nur  an  Mitglieder

Auskünfte

erteilt.

Der  Mit

gliedsbeitrag  ist  50  Pf.  jährlich.  Bei  Vereinen,  die  in  corpore  beitreten,
sinkt  der  Beitrag  bis  auf  10  Pf.  für  ein  Mitglied  jährlich.  Wie  rasch
auch  hier  die  Tätigkeit  stieg,  zeigt  sich  darin,  daß  1897:  8390,  1898
schon  13277  Auskünfte  (darunter  1444  schriftliche)  erteilt  und  ferner
1898:  2793  Schriftsätze  (Eingaben,  Bittgesuche,  Beschwerden)  gefertigt
wurden.
In  Italien  wurden  als  Gegengewicht  gegen  die  noch  zu  erwähnenden
Arbeiterkammern  von  den  der  Kirche  nahestehenden  Kreisen  „Volkssekretariate“ ­
  empfohlen  und  seit  Mitte  der  90  er  Jahre  in  Bergamo,
Turin,  Mailand,  Lodi,  Bologna  usw.  errichtet.
            
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