Full text : Der Steinkohlenbergbau in Preussen und das Gesetz des abnehmenden Ertrages

2Ö

baues  und  des  Niederbringens  der,  Schächte  nur  einige  Beispiele
anführen,  die  aber  ungefähr  einen  Begriff  von  der  Grösse  der
notwendigen  Kapitalien  geben  und  die  auch  zeigen,  dass  die  von
den  Unternehmern  heute  so  in  den  Vordergrund  der  »prinzipiellen« ­
  Betrachtungen  gerückte  Gewerbefreiheit  beim  Steinkohlenbergbau ­
  darin  besteht,  dass  die  meisten  Menschen  dieses  Gewerbe
eben  nicht  betreiben  können.
I.  Der  Grubenausbau.
Er  findet  statt,  um  das  Einstürzen  offener  unterirdischer
Räume  zu  verhüten;  er  besteht  in  Zimmerung,  eisernem  Ausbau
und  Mauerung.  Unterirdische  Räume  aber  können  sein:  vor  allem
Strecken,  dann  andere  grosse  Hohlräume  (Füllort,  Pferdestall),
blinde  Schächte  und  Bremsberge,  die  Abbaue  selbst.  Was  diesen
Räumen  gefährlich  wird,  ist  der  Gebirgsdruck,  der  sich  verschieden ­
  bemerkbar  macht.  Dass  er  mit  der  Tiefe  wächst,  ist  höchst
wahrscheinlich,  wenn  auch  noch  nicht  einwandfrei  festgestellt r ).
In  Strecken,  die  im  Kohlenflötze  getrieben  sind,  spürt  man  ihn
mit  dem  Iierannahen  der  Abbaue  oft  200—300  m  diesen  voraus.
Von  besonderer  Wichtigkeit  ist  die  Art  des  Nebengesteins  :  der
Sandstein  hält  mehr  Druck  aus,  der  Schieferton  dagegen  ist
plastisch,  die  Kohle  selbst  bei  ihrer  geringen  Festigkeit  spröde.
Der  Streckenausbau 2 )  hat  sich  in  Stärke,  Material  und  Art
der  Ausführung  nach  verschiedenen  Umständen  zu  richten:  nach
den  Druckverhältnissen  der  Strecke,  nach  der  Beschaffenheit  der
hindurchziehenden  Grubenwetter,  nach  der  Lebensdauer  des  betreffenden ­
  Baues  und  seiner  Bedeutung  für  den  Betrieb  (möglichste ­
  Vermeidung  von  Betriebsstörungen  infolge  Reparaturen).
Auch  bei  stärkstem  Drucke  findet  Ausbau  in  Holz  statt,  der,
zerdrückt,  einfach  neu  gebaut  wird.  Eisenausbau  verwendet  man
nur  bei  mässigem  Drucke.  Beim  Holzausbau  spielen  die  Materialkosten ­
  gegen  die  Kosten  des  Einbauens  bei  weitem  die  grösste
Rolle.  Die  Plolzpreise  aber  sind  in  den  letzten  10  Jahren  vielleicht ­
  um  50  %  gestiegen  und  Eichenholz  kostet  gewöhnlich  doppelt ­
  soviel  wie  Tannenholz.  1  cbm  geschältes  Tannenholz  kostete
1901  17—20  M.  3 ),  sein  Preis  wächst  mit  Stammstärke  und  Länge
schnell.  Werden  nun  2  Stämme  senkrecht  aufgestellt  und  ein
dritter  Stamm  darüber  gelegt,  so  nennt  man  dies  einen  Türstock,
1)  Entw.  Bd.  II.  351.  2)  Entw.  Bd.  II.  353  f.
3)  1-  c.  366.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.