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seinem eignen Stand den historischen Process gemacht, und
ns war eine eigenthümliche Ironie der Thatsachcn, dass man
auf der Gegenseite den gegen den ziemlich harmlosen und
weder praktisch noch theoretisch gefährlichen Mann ange
zettelten gerichtlichen Process verlor. In der That hatte
St. Simon, gleichviel aus welchen Gelegenheitsmotiven, in
jener politischen Parabel nur das tiefste Innere seiner üeber-
zeugungen ausgedrückt. Er hatte den Inhalt seiner Geschichts
auffassung und seinen Eundamentalsatz in etwas persönlicher
Weise erläutert. Ausser den Personen, deren Bedeutungs
losigkeit er bemerklich machen wollte, war auch seine eigne
Person einigermaassen betheiligt. Er selbst wai ein leben
diges Bild von den Schicksalen und dem Verfall der Grössen
des alten Regime. Er hatte sich aus dem Schitíbiuch cei
äussern Existenz und des feudalen Reichthums in das Ge
biet der modernen Triebkräfte der Industrie und Wissenschaft
geflüchtet. Zwar hat er auch hier die Physionomie des Ver
falls, die das alte Regime auszeichnete, in seinem eignen Vei^
halten nicht ganz verleugnet; aber grade dieser Umstand gab
ihm ein gewisses Recht, ein Urtheil auszusprechen und ein Princip
geltend zu machen, durch welches er nicht blos über Andere,
sondern auch über einen Theil seines eignen Selbst den Stab
brach, ln seinem persönlichen \ erhalten war er ein leben; i._ei
Beweis, bis zu welchen Schranken die sich anfrischende und
den neuen Triebkräften des Lebens zu wendende Fähigkeit er
verfallenden Gesellschaftselemente ausreichen möchte,
er andere Traditionen hinter sich gehabt als diejenigen, an
denen er die sichtbaren Caricaturen in der gesammten Gese -
schuft biosstellte, so hätte sein Verhalten im Leben un
ein sehr verändertes Gepräge erhalten müssen. Allem er ha e
den Widerstand der angeerbten Tendenz zum Verfall zu uber-
winden, und was er wirklich geleistet hat, ist diesem oorrup-
tiven Element abgerungen worden.
Aus diesem letzteren Verhältniss erklärt sich nun aber
aucli die Doppelseitigkeit und das Schwanken in der Gestal
tung der augenblicklichen Ziele. Der Compass war zwar immer
derselbe; aber die Karte, nach der sich St. Simon richtete, war
meist fehlerhaft. Er steuerte nach einem Ideal, in welchem
der Uebergangszustaud, den er als politisches astai ge i e
von Feudalismus und Industrialismus kennzeichnete, einer remen