Full text : Organisierte Arbeit

103

entschieden  zurückgewiesen  werden.  Derartige  Versuche  haben  bisher ­
  nie  Entgegenkommen  gefunden,  aber  selbst  wenn  sie  angenommen
würden,  würde  deshalb  noch  keine  Majorität  sozialistisch  stimmen,
geschweige  denn,  dass  man  die  Minderheit  dazu  veranlassen  könne;
politische  Anschauungen  kann  man  eben  einem  Menschen  durch  noch
so  überlegene  Stimmenzahl  nicht  eintrichtern.  Eine  solide  politische
Agitation  sucht  einen  Mann  nicht  an  eine  Partei  heranzuziehen,
sondern  in  ihm  eine  eigene  entschlossene  politische  Meinung  zu
wecken.
Es  ist  nicht  unwahrscheinlich,  dass  mit  der  Zeit  die  Arbeitervereinigungen ­
  einen  stärkeren  Einfluss  auf  Staatsregierungen  und
besonders  Städteverwaltungen  bekommen  werden.  Die  Zeiten
sind  vorüber,  in  denen  die  Regierung  der  Vereinigten  Staaten  das
Privileg  einer  besonderen  Klasse  war.  Die  Geschichte  aller  Staaten
zeigt,  dass  eine  Klasse  nach  der  anderen  zum  Stimmrecht  zugelassen ­
  und  der  Mitverantwortlichkeit  für  Regierungshandlungen
unterworfen  wurde.  Aus  Mangel  an  Organisation  und  einsichtiger
Leitung  haben  die  Arbeiter  heute  noch  nicht  den  wünschenswerten
Einfluss  auf  unsere  Stadtverwaltungen;  sie  haben  für  die  eine  oder
andere  Partei  je  nach  deren  Haltung  oder  auch  nach  persönlichen  Beziehungen ­
  gestimmt,  ohne  ihr  Klasseninteresse  zu  berücksichtigen.
Einen  Teil  der  Arbeiter  konnte  man  früher  gegen  den  anderen
ausspielen  wie  unorganisierte  gegen  organisierte  beim  Streik.  Mit
dem  Wachsen  der  Organisationen  sollte  man  auf  die  Gesetzgebung ­
  einen  Druck  zu  gunsten  der  Klasse  und  der  Allgemeinheit
ausüben,  ohne  dass  eine  Ämterjägerei  der  Führer  einsetzt;  die
Wege  der  Politik  sind  heute  mit  den  Ruinen  stolzer  Unternehmungen ­
  und  den  bleichenden  Knochen  edler  Charaktere  besät,
und  eine  Gewerkschaft,  die  sich  einmal  auf  die  stürmische  See
der  Ämterjagd  begibt,  wird  früher  oder  später  ihren  inneren
Halt  und  ihr  äusseres  Ansehen  verlieren.
Wenn  die  Arbeiterorganisation  in  einer  Stadt  stark  geworden
ist,  kommt  auch  dem  gewissenhaftesten  Führer  ei*n  gewisses
Machtgefühl,  und  man  kann  nichts  schlechtes  darin  sehen,  wenn
er  seinen  Einfluss  dazu  benutzt,  einen  Platz  einzunehmen,  für  den
er  sich  leistungsfähig  fühlt  und  auf  dem  er  seinen  Kameraden
nützen  kann.  Aber  man  bleibe  sich  immer  bewusst  der  grossen  Gefahren ­
  der  Demoralisation  und  der  persönlichen  Zänkereien  über  nicht
gewerkschaftliche  Dinge.  Durch  Wahl  geeigneter  Stadtverordneten
für  Arbeiterbezirke  kann  man  die  Stadtverwaltungen  oft  besser  zur
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.