— 117
Nichts gutes und nichts schlechtes haben die Gewerkschaften
getan oder können sie tun, das nicht als Angriffspunkt benutzt
worden wäre. Sie werden bekämpft, weil sie zentralisiert und weil
sie dezentralisiert; weil sie Kampfvereinigungen ohne Versicherung
waren und weil sie Kassen hatten und beim Kampf diese benutzt
und die ruhigen Mitglieder in ihrer Versicherung geschädigt; weil
sie die Löhne verbessert und weil sie dem Arbeiter nicht materiell
genützt; weil sie terrorisierten und weil sie keinen Einfluss auf
ihre Leute hätten.
Wir müssen die Angriffe gegen Einzelmitglieder und gegen
die Organisation unterscheiden. Jedermann würde die Behauptung
übel aufnehmen, der Amerikaner sei ein Trunkenbold,
Lügner, Dieb und Mörder, obgleich verschiedene Amerikaner wegen
dieser Dinge bestraft worden sind. Dagegen wird es nicht für
ungebührlich betrachtet, „die Gewerkschaften in ihrer heutigen
Zusammensetzung“ anzuklagen, weil die Mitglieder gezeigt haben,
dass sie Menschen mit menschlichen Schwächen sind. Viele dieser
Anklagen, wie wegen Gewalttätigkeit, Einschüchterung, Hintergehung
der Kameraden, Beschränkung der Lehrlingszahl oder der
Produktion, Feindschaft gegen neue Maschinen, sind an anderen
Stellen besprochen; ebenso die Frage des Kontraktbruchs und der
Verantwortlichkeit. Ob diese Anklagen nun aus Übelwollen oder
Unkenntnis erhoben werden, sie sind meist leicht zurückzuweisen.
Es wurde auch gezeigt, dass die Unternehmerschaft die
Arbeiter immer angriff, wenn diese ihre Lage zu bessern suchten.
So sei nur noch zitiert, dass die englischen Wollkämmer 1741
„sich vor einigen Jahren zu einer Vereinigung (ohne Statuten!)
zusammenschlossen unter dem Vorwand, ihre armen kranken und
arbeitslosen Brüder zu unterstützen; dann trafen sie sich ein- bis
zweimal wöchentlich, zahlten jeder 20—30 Pf. in eine Kasse; und
als sie etwas stärker wurden, gaben sie sich und ihren Meistern
Gesetze; niemand sollte Wolle kämmen unter 2 Mk. das Dutzend,
die Meister nur Mitglieder ihres Vereins anstellen, andernfalls
wollten alle nicht für sie arbeiten; und damit nicht zufrieden,
schlugen sie oft einen anderen, der arbeiten wollte und zerbrachen
seine Werkzeuge; sie unterstützten sich untereinander und ihr
Verein dehnte sich über das ganze Königreich aus; und um ihre
Preise aufrecht zu halten, gaben sie den Arbeitslosen eine Karte
und Geld, im Lande herum zu reisen und bei einem anderen Verein
einzutreten. Dasselbe taten die Weber, wenn auch begrenzt auf