Full text : Organisierte Arbeit

120

die  Erreichung  eines  amerikanischen  Lebensniveaus  zu  hindern
suchen!  Wenn  auch  in  England  einige  Jahre  früher  entwickelt,
ist  sie  doch  kein  importiertes  englisches  Produkt,  wie  etwa  der
englische  Sperling,  sondern  sie  erwuchs  auf  amerikanischem  Boden
als  Bedürfnis  von  Amerikanern,  als  die  Demokratie  der  Armen
und  die  Regierung  von  Arbeitern  durch  Arbeiter.
Man  weist  oft  auf  Selfmademen  hin,  die  sich  ohne  Hilfe  von
Gewerkschaften  vom  Arbeiter  zum  Führer  ganzer  Industriezweige
aufgearbeitet  haben  und  will  die  Arbeiter  zur  Eroberung  einer
Stellung  ausserhalb  ihrer  Klasse,  statt  zu  kameradschaftlichem  Zusammenarbeiten ­
  anstacheln.  Das  heisst,  den  Hungernden  auf  einen
Lotteriegewinn,  den  Strassenjungen  auf  die  Aussicht  der  Präsidentschaft ­
  vertrösten.  Wenn  es  möglich  ist,  dass  einer  aus  den
Millionen  Arbeitern  ein  Carnegie  wird,  so  ist  damit  doch  den
Millio  nen  nicht  geholfen.  Der  aussergewöhnlicli  begabte  Arbeiter ­
  mag  für  seinen  Weg  die  Organisation  nicht  nötig  haben,
aber  es  ist  nicht  deren  Aufgabe,  aus  Schlossern  und  Schreibern
Eisenbahndirektoren  und  Bankiers  zu  machen,  sondern  denen  zu
helfen,  die  Schlosser  und  Schreiber  bleiben.
Denen  gegenüber,  die  die  guten  alten  Zeiten  loben,  in  denen
der  Tüchtige  seinen  Weg  fand  und  der  Schwache  zugrunde  ging,  sei
zugegeben,  dass  in  unserer  Industrie  eine  gewisse  Tendenz  zur
Nivellierung  der  Leistung  besteht.  Der  einzelne  Handwerker
kann  seine  Geschicklichkeit  besser  zeigen,  als  der  Mann  an  der
Maschine  in  einem  Grossbetrieb.  Aber  dieses  Übereinenkammscheren ­
  tut  der  Unternehmer  oder  der  Grossbetrieb,  der  an  Stelle
des  Mannes  mit  seinem  Namen  die  Blechnummer  setzt,  ob  derselbe ­
  nun  organisiert  war  oder  nicht.  Eine  Abrundung  der  Ansprüche ­
  findet  höchstens  nach  oben,  nie  nach  unten  statt,  indem
der  weniger  Leistungsfähige  ausgesiebt  wird.  Und  einen  Streber
verweisen  die  Arbeiter  höchstens  dann  in  vernünftige  Schranken,
wenn  der  Unternehmer  ihn  deutlich  zur  Herabdrückung  der  Löhne
zu  benutzen  sucht.
Dagegen  betrachte  man  die  obere  Begrenzung  der  Leistung
durch  die  Unternehmer;  die  Vereinigung  der  Kohlenunternehmer
von  Illinois  verbietet  ihren  Mitgliedern,  Prämien  oder
Zusatzlöhne  für  noch  so  grosse  Mehrleistung  zu  zahlen.
Es  sei  zugegeben,  dass  auch  ohne  solche'  Bestimmungen
meist  eine  grosse  Mehrheit  der  Arbeiter  nicht  mehr  als  die  festgesetzten ­
  Minimallöhne  erreicht.  Aber  nur  durch  die  Weigerung  der
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.