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wie jeder Boykott ein Unrecht. Und das zweite ist die Furcht,
dass auf diese Art wegen einer Streitfrage die ganze Arbeiterwelt
in den Kampf verwickelt werden könne. Und wie schon
beim Boykott gesagt: das Publikum mag in einem einzelnen Streitfall
die Partei der Arbeiter ergreifen, für eine Ausdehnung auf
fernerliegende Gebiete ist es selten begeistert und man muss mit
dieser Stimmung rechnen.
Aber auch hier gibt es Fälle, in denen die Aufopferung für
andere, welche wie nichts anderes im Wirtschaftsleben die Bruderschaft
und Solidarität der Arbeiter besiegelt, begeisternd wirkt.
Je schlimmer die Unterdrückung der Leute in einem Gewerbe ist,
desto schwächer sind oft die Organisationen, und sie können nur
mit Hilfe ihrer bessergestellten Brüder gehoben werden. Ja,
einige Vereinigungen, die noch nicht zu grossgewerkschaftlicher
Verbündung gekommen sind, haben sich das Kocht des Sympathiestreiks
in ihren Verträgen besonders Vorbehalten — ähnlich der
Streikklausel in den Lieferungsverträgen der Unternehmer. Aber
nur 3% der Streiks in den Jahren 1880—1900 waren aus Sympathie
erklärt und es scheint noch eine Tendenz der Abnahme zu
bestehen.
Endlich wird als Anklage vorgebracht, Streiks seien oft
durch die Beamten der Vereinigungen veranlasst. Einige Leute
scheinen die sonderbare Ansicht zu haben, durch einen Streik
könne ein Arbeiterführer etwas gewinnen, oder die Leute gäben
ihre Stellung auf, um den „Agitatoren“ auf irgend eine dunkle
Weise etwas zuzuwenden. In Wirklichkeit hängt die Sache gerade
am andern Haken. Die Arbeit der Beamten verdreifacht sich beim
Ausbruch des Streiks, und ihr Gehalt wird herabgesetzt. Die
Entlohnung des Gewerkschaftsbeamten gleicht der eines chinesischen
Arztes, der nur bezahlt wird, solange der Patient gesund
ist. Während des Kohlenstreiks von 1902 zahlten die Beamten
der Vereinigten Bergarbeiter 35% ihres Monatsgehaltes in den
Streikfonds, und die von einem schmalen Gehalt von 280—300 Mk.
monatlich sich etwas abgespart hatten, stürzten sich in Schulden,
während sie 12 — 15 Stunden täglich für die Gewerkschaft arbeiteten.
Die naive Behauptung, die Agenten der Gewerkschaften
verursachten die Streiks, ist so kindisch wie der Glaube, die Dampfpfeife
liesse den Zug laufen. In allen Gewerkschaften sind die
Beamten, vom örtlichen Geschäftsführer oder Wanderagenten bis
zum internationalen Vorsitzenden, Hüter des Friedens, das konser