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Der Streik ist eine Methode des Vertragsschlusses und
bringt nicht notwendig Feindschaft, Hass, Beschuldigungen oder
Bitternis mit sich. Er ist die Überlegungsfrist von Käufer und
Verkäufer, bis sie sich auf einen Preis einigen, genau wie wenn
der Kunde Zucker zu 50 Pf. das Kilo kaufen will und der Kaufmann
55 Pf. verlangt. Mit diesem Handeln mag beim Einkauf
manche Zeit verloren werden, und während dieses Handelns stellt
die Fabrik still.
Da der Streik also die Verzögerung eines Vertragsschlusses
bedeutet, ist die Vertragsfreiheit seine erste Voraussetzung.
Wenn die Juden die Arbeit am Pyramidenbau niederlegten, weil
man ihnen kein Stroh lieferte, so war das kein Streik, denn sie
waren Sklaven ohne Vertragsfreiheit. Die römischen Sklavenaufstände,
die Bauernerhebnngen in Deutschland, Frankreich und
England hatten nichts mit einem Streik zu tun; sie wurden mit
Waffengewalt niedergeworfen, weil der Staat auf dem Standpunkt
beharrte, niemand dürfe in der ihm angewiesenen Stellung die
Arbeit verweigern. Erst mit der Gewerbefreiheit ist Unternehmern
wie Arbeitern die Möglichkeit gegeben, über Arbeitsbedingungen
zu verhandeln und solche zu verweigern.
Die Gewerkschaften sind nicht zum Zwecke der Streikführung
organisiert, wie man so oft behauptet hat, sondern sie benutzen
denselben, wenn es notwendig ist, zur Erreichung ihrer Ziele,
nämlich besserer Arbeitsbedingungen. Sie sind vorbereitet für
denselben, aber sie wünschen denselben ebenso wenig, wie die
Vereinigten Staaten den Krieg, zu dem sie gerüstet sind. Es ist
richtig, dass in fortgeschrittenen Ländern mit starker Organisation
Streiks häufiger sind; sie sind in Amerika häufiger als in England,
in England häufiger als in Frankreich, in Frankreich häufiger als
in Italien. Dieselben Wirtschaftszustände, welche zur Organisation
drängen, drängen zur Besserung der Arbeitsbedingungen.
Hier und da mag ein Streik aus nichtigem Grunde begonnen
werden, meist aber hat der Wunsch der Arbeiter auf Besserung
ihrer Lage eine gute Berechtigung. Nach dem Bericht des
Arbeitsamtes wurden von 1881 —1900 41,4% der Streiks um höhere
Löhne, 6,9 °/ 0 um Aufrechterhaltung der alten Löhne gefochten.
Das wären also die Hälfte; und von den übrigen handelte es sich
bei der Hälfte um Verkürzung des Arbeitstages. Nur ein Streik
von je 16 galt der Anerkennung der Gewerkschaft und nur einer
auf je 19 der Absicht, den Ausschluss nichtorganisierter Arbeiter