Full text : Organisierte Arbeit

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diese  Ausartung-  des  Lohnsystems,  nicht  das  Lohnsystem  als  solches.
Aber  ebensowenig  ist  der  Gewerkschaftsgedanke  an  das  Lohnsystem ­
  gebunden.  Er  erstrebt  die  Hebung  des  Arbeiters  unter  den
vorhandenen  Zuständen,  und  wo  dies  nicht  möglich  ist,  deren  Beseitigung. ­

Die  bisherige  Geschichte  der  Bewegung  scheint  aber  ein  Beweis ­
  dafür  zu  sein,  dass  unter  dem  bestehenden  System  mit  Staatshilfe ­
  eine  ganz  bedeutende  Besserung  möglich  ist.  Zu  jedem  Zeitpunkte ­
  gibt  es  eine  Grenze  der  möglichen  Entlohnung,  und  nur  mit
dem  allmählichen  Steigen  der  Produktivität  kann  nicht  nur  ein
allmähliches,  sondern  ein  rapides  Steigen  der  Löhne  eintreten.
Wir  müssen  dahin  streben,  dass  der  Arbeiter  in  50  Jahren
mit  ebensolchem  Mitleid  auf  die  heutigen  Löhne  herabblickt,  wie
wir  auf  die  von  vor  50  Jahren.  Die  Tatsache  der  festen  Entlohnung ­
  der  Leiter  unserer  Industrie  durch  die  Kapitalisten  beweist, ­
  dass  das  Lohnsystem  eine  niedrige  Lebenshaltung  nicht
notwendig  mit  sich  bringt.
Je  mehr  nun  aber  die  Gesamtheit  unseres  Volkes,  allmählich
auch  der  landwirtschaftlich  tätige  Teil,  zu  Lohnarbeitern  werden
muss,  desto  mehr  muss  uns  deren  moralisches  und  intellektuelles
Niveau  angelegen  sein.  Es  mag  sein,  dass  ein  gut  Teil  einer
Lohnerhöhung  oder  Arbeitszeitverkürzung  seinen  Zweck  verfehlt,
wenn  der  Arbeiter  sie  nicht  zu  benutzen  weiss,  und  dass  sie  darum
nicht  früher  gewährt  werden  sollten,  bis  er  sie  fordert.  In  der
Weckung  dieser  Bedürfnisse  haben  unsere  Zeitungen,  das  Postwesen ­
  und  die  öffentlichen  Schulen  bedeutendes  geleistet,  und  die
Gewerkschaftsbewegung  hat  hier  auch  weiterhin  hohe  Aufgaben,
ohne  fürchten  zu  müssen,  die  Ansprüche  gegenüber  der  Möglichkeit
ihrer  Befriedigung  ins  Unmögliche  zu  steigern.  Höchstens  die
Nachfrage  nach  türkischen  Teppichen,  Juwelen  und  Champagner
wird  nicht  nur  nicht  gleichzeitig  gehoben  mit  der  nach  körperlich
und  geistig  kräftigenden  Dingen,  sondern  sie  kann  damit  allerdings ­
  sogar  bis  zu  einem  gewissen  Grade  in  den  Hintergrund
gedrängt  werden.
Die  Gewerkschaften  treten  ein  für  Freiheit,  Gleichheit,
Brüderlichkeit;  für  die  Freiheit  des  Einzelnen,  über  sein  eigenes
Leben  zu  verfügen  und  zusammen  mit  seinen  Kollegen  Kollektiv-Verträge
  zu  schliessen;  für  die  Gleichheit,  nicht  des  Reichtums,
aber  der  Wirtschaftschancen;  und  für  die  Brüderlichkeit  als  Selbstzweck ­
  und  Mittel  zum  wahren  Fortschritt  der  Kultur.
            
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