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die Rolle des Erziehers und „Agitators“. Zuerst sind die eigenen
Mitglieder, dann die Unorganisierten, und endlich die Aussenstehenden
zu den Idealen der Bewegung zu erziehen. Die modernen
Arbeiter haben gelernt, ohne Gewalttaten einen Streik durchzuführen,
Opfer zu bringen, sich der Disziplin zu fügen, Verträge
zu schliessen und einzuhalten, und ihre Haltung gegenüber den
Unternehmern und Unorganisierten zu massigen. Die Öffentlichkeit,
die einst eine Organisation als eine Verschwörung betrachtete,
dann in Gewerkschaftlern gefährliche Revolutionäre sah und das
Streikrecht nicht anerkannte, die noch vor zwei Generationen die
Gewerkschaften für Feinde von Religion und Moral erklärte, hat
das Brandmal von dereinst, zur Gewerkschaft zu gehören, allmählich
in ein Ehrenzeichen umgewandelt. Aber wenn sie auch heute
die grossen Leistungen der Bewegung und die Mässigung der
Führer anerkennt, so bleibt doch noch viel zu tun, sie zu einer
entschlossenen Pflichterfüllung gegenüber dieser Bewegung zu
bringen.
In den Anschauungen des Volkes über die Rechte der Arbeiter
und in den Theorien über die Verteilung des Nationalreichtums
hat eine völlige Umwälzung stattgefunden. Noch im 18. Jahrhundert
hielt man niedrige Löhne für eine Wohltat für die Gesellschaft.
Solange die Wirtschaftslehre die Löhne als eine Auslage
betrachtete, als Spesen der Produktion wie die Unterhaltung von
Heer und Marine, und den Profit als Produktionszweck hinstellte,
musste jede Bewegung zur Hebung der Löhne als unheilvoll erscheinen.
In dem halben Jahrhundert von 1817—67 trat eine andere
Theorie der Gewerkschaftsbewegung entgegen, die Theorie von
einem bestimmten Lohnfonds, der in der Wirtschaft umlaufe, und
dessen höherer Anteil für den einen Arbeiter einen geringeren
Anteil für den anderen Arbeiter herbeiführen würde. Den Anhängern
der Theorie des Zuströmens der Arbeitskräfte nach dem
bestgelohnten Gewerbe und des Steigens der Geburtenrate bei
allgemeiner Lohnerhöhung musste die Gewerkschaftsbewegung
wenn nicht schädlich, so doch töricht erscheinen.
Aber wie so oft in der Geschichte, hatten nicht die Klugen
recht, sondern die Toren. Die Entwicklung stellte sich auf Seite
derer, die sich durch den engen Studierstubengeist der Nationalökonomen
in ihrem Vorwärtsstreben nicht beirren Hessen. Wir
können nicht Gelehrte gebrauchen, die, statt sich an die Spitze