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die angeblich „unter seiner Kontrolle steht“, ihre Wünsche zum
Ausdruck bringt. Werfen sich in anderen Bewegungen immer Leute
ins Vordertreffen, die die Wünsche und Gefühle ihrer Genossen
glauben interpretieren zu müssen, so wird in diesem Urzustand
der Demokratie glücklicherweise die Meinung der Masse ohne dazwischen
geschaltete Eifersüchteleien, Autoritäten und Amtsgewalten
zum Ausdruck gebracht.
Auf der Bergarbeiterversammlung, die dem Kohlenstreik voranging,
war mit mir die grosse Mehrheit der Delegaten der Meinung,
man solle den Streik lieber auf gelegenere Zeit hinausschieben,
aber dies war ohne jede Bedeutung für die Streikerklärung, die
die Arbeiter in ihren Instruktionen gefordert hatten.
Die Schwächung, die diese demokratischen Prinzipien auf
eine Organisation ausüben können, weil die Gefühle Verstandesgründe
umwerfen können und die Entschlusschnelligkeit
leidet, wird mehr als ausgeglichen durch die Sicherung innerer
Einheit und Ehrlichkeit. Ein korrupter Gewerkschaftsführer kann
seinen Posten nicht so leicht halten, wie ein solcher in der Politik;
in einer Stadt kann eine Mehrheit der Bürger sehr wohl durch
eine korrupte Minderheit, die gut organisiert ist, im Zaum gehalten
werden; aber in einer Gewerkschaft kann eine unzufriedene
Minderheit selbst ausscheiden und sich selbständig organisieren.
In einer Gewerkschaft kann die Mehrheit nicht, wie in einem
Staate, die Minderheit durch Gesetzeszwang und Besteuerung für
ähre Zwecke ausnutzen.
Die meisten Gewerkschaftsbeamten erhalten bedeutend geringere
Gehälter, als sie für gleiche Leistung im Geschäftsleben
ernten würden, und ihre Lebenshaltung unterscheidet sich nicht
viel von der des Mannes am Schraubstock; denn in Denkart und
Gefühlen darf er sich nicht sondern von den Leuten, deren Interessen
er vertritt, selbst wenn er entsprechende persönliche Mittel
besitzen sollte. In der staatlichen Politik dagegen ist die alte
demokratische Einfachheit geschwunden und Präsident oder Gouverneur
leben nicht mehr in den Fusstapfen Jeffersons. Der Vorsitzende
eine]' Arbeiterorganisation aber hat neben der Erfüllung
seiner Geschäfte noch jederzeit ein freundliches Gehör den Wünschen
eines Einzelnen zu schenken.
Wenn auch nicht in demselben Umfang und in derselben Ausdehnung
wie in der Politik, so besteht in Gewerkschaftskreisen
doch immerhin eine gewisse theoretische Gefahr des Cliquenwesens