Full text : Organisierte Arbeit

2.  KAPITEL.

Unorganisierte  Arbeit.
Die  Geschichte  der  Arbeit  ist  die  Geschichte  der  Menschheit.
Von  den  grauesten  Zeiten  an  hat  der  Mensch  sein  Brot  im
Scliweisse  seines  Angesichts  gegessen  und  schwer  gearbeitet,  um
sein  Leben  zu  erhalten.  Niemals  gab  es  ein  goldenes  Zeitalter,
in  dem  Menschen  lebten,  ohne  zu  arbeiten  oder  ernteten,  wo  sie
nicht  gesät.  Was  die  Menschheit  errungen  hat,  vom  Recht  zu
leben  und  Kinder  zu  erzeugen,  von  der  Sicherung  ihrer  Existenz
an  bis  zu  Komfort,  Glück  und  Zivilisation,  das  ist  das  Resultat
unermüdlicher  Anstrengung  von  Millionen.
Der  Ertrag  der  Arbeit  hat  nicht  immer  dem  Arbeiter  gehört. ­
  Immer  haben  einige  geschafft  und  andere  ihren  Launen  gelebt, ­
  diese  gepflügt  und  jene  die  Früchte  gegessen.  Und  dabei
sind  die  Arbeitenden  stets  in  der  grossen  Majorität  gewesen.
Zwar,  wenn  man  unsere  Weltgeschichte  liest,  könnte
man  allerdings  auf  den  Gedanken  kommen,  dass  die  Welt  aus
Königen  und  Grossen  bestanden  und  dass  es  kein  Volk  gegeben
habe.  Wie  uns  in  den  Modeblättern  in  der  Saison  nur  erzählt
wird,  wer  aus  der  Stadt  verreist  ist,  nichts  aber  von  den  tausenden ­
  von  Lohnarbeitern,  die  bei  ihrer  Tagesarbeit  zusammenbrechen; ­
  so  schwelgt  auch  die  Geschichte  in  Worten  und  Taten
von  Königen  und  Prinzen,  während  das  Leben  der  grossen,  schweigsamen, ­
  ungezählten  Masse  unerwähnt  bleibt.
Und  doch  unterscheiden  sich  die  heutigen  Lohnarbeiter
grundsätzlich  von  den  Männern,  welche  in  frühen  Gesellschaftsstufen ­
  die  rohe  Arbeit  verrichteten.  Der  Arbeiter  von  damals
hatte  seine  Stellung  fest  umgrenzt  durch  Sitte,  Gesetz  oder
Religion.  Es  gab  keinen  Spielraum  für  einen  freien  Vertrag  mit
freien  Arbeitern,  und  die  ganze  Gesellschaft  entwickelte  sich  in
Anlehnung  an  diese  Arbeitsorganisation.  Der  Anfang  menschlicher ­
  Geschichte  ist  ein  dauernder  Kampf  mit  der  Armut.  Wo
man  nicht  Ackerbau  und  Viehzucht  hatte,  sondern  von  Wurzeln,
wilden  Früchten  -  und  dem  Ertrag  von  Jagd  und  Fischerei  lebte,
da  lebte  man  von  der  Hand  in  den  Mund.  Grosse  Menschenmassen ­
  können  aber  auf  so  unsichere  Art  nicht  erhalten  werden,
            
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