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einem Durchschnitt von weniger als 22 Mk. Dass Hunderttausende
von Mädchen und Frauen für 20—24 Mk. 10 Stunden lang arbeiten
sollen, vielleicht in schlechter Luft und bei aufreibender Tätigkeit,
scheint in einem zivilisierten Gemeinwesen kaum glaublich. Jeder,
der die Kosten des Lebens in grossen Städten kennt, wird sagen,
dass man damit nicht das Allernotwendigste bestreiten und kaum
das eintönigste Leben damit führen kann. 20 Mk. reichen nicht
zu einem eigenen Zimmer, genügender Kleidung und Nahrung.
20 Mk. bedeuten für ein Mädchen, dass es ein enges, dürftiges,
schlecht beleuchtetes Zimmer in den schmutzigsten Vierteln der
Stadt mit anderen teilen und vielfach verfälschte Nahrungsmittel
geniessen muss. Und wenn es das für ein alleinstehendes Mädchen
bedeutet, — was dann erst für eine Witwe mit Kindern!
Durch dauernde Gewöhnung an diese Zustände sind wir
abgestumpft gegen die niederdrückende Wahrheit, dass es in unserer
Gesellschaft Millionen solcher Bettlerexistenzen gibt. Von dem
einzelnen Unternehmer kann man eine Besserung dieser Zustände
nicht erhoffen. Denn was er seinen Leuten an höheren Löhnen
zahlt, das gibt er als Geschenk aus seiner Tasche und ein geringerer
Profit schwächt seine Stellung gegenüber der Konkurrenz.
Die einzige Hoffnung auf eine Erhöhung der Lebenshaltung ist
die Organisation der weiblichen Arbeiter. Obgleich diese heute
schon Vorteile aus der Bewegung ziehen, sind sie noch lange nicht
in so grosser Zahl vereinigt, als es sein sollte. In England sind
von den 2 Millionen Gewerkschaftlern 120 000 weibliche, in
Deutschland ist der Prozentsatz noch geringer; in unserem Lande
ist er wahrscheinlich höher, ohne aber in einem wünschenswerten
Verhältnis zu stehen. Von den Männern wie von den
Frauen selbst müssen die allergrössten Anstrengungen in dieser
Kichtung gemacht werden. Vielfach erwachsen heute noch Organisationsschwierigkeiten
aus der Art einiger weiblicher Gewerbe,
aber in den bestehenden Vereinigungen zeigen die Frauen, dass
sie williger sind, Opfer für die Sache zu bringen, als Männer.
Ein Markstein im Wechsel der Stellung der Frau zu den
Gewerkschaften ist von dem Chicagoer Lehrerinnenbunde
(Federation of Teachers) gesetzt worden. In der Erkenntnis,
dass sie Lohnarbeiter seien und ihre Interessen mit der grossen
Masse der anderen übereinstimmten, teilten sie ihr Los mit ihren
handarbeitenden Kameraden und schlossen sich dem Chicagoer
Arbeiterbunde an. In drei anderen Städten ereignete sich das