Full text: Die Theorie des Geldes

Geld und Waare. 
27 
Was will nun nach alledem die Behauptung be 
im Avirthschaftlichen Leben begegnet, handelt es sich nicht um 
die Dinge an sich, sondern um die Herrschaft oder Ver 
fügung über dieselben d. h. um das Haben oder den Be 
sitz. Dieser, der Besitz, ist es, der geschätzt oder auf den Werth 
gelegt wird. M. a. W. der Werth, mit dem man es im wirth- 
schaftlichen Leben zu thun hat, ist nicht sowohl eine (unmittel 
bare) Eigenschaft der Dinge, als vielmehr eine Eigenschaft des 
Besitzes, wie man dies am deutlichsten sieht, wenn man die That- 
sache, dass für eine Waare ein bestimmter Preis bezahlt wird, 
z. B. mit der Thatsache der Prämiirung von Ausstellungsobjekten 
vergleicht. Damit ist zugleich auch gesagt, dass es immer be 
stimmte Quantitäten, d. h. nach Maass, Gewicht oder Stück 
zahl, nicht blos nach Art und Beschaffenheit, bestimmte Gegen 
stände sind, welche im wirthschaftlichen Leben das Objekt der 
Werthschätzung bilden. Wenn daher einige neuere Oekonomisten 
von zwei Arten von Werth sprechen, von einem „abstrakten“ 
oder „Gattungswerth“ einerseits, und einem „concreten“ oder 
„Quantitätswerth“ (Knies, Geld und Credit I, p. 125, gebraucht 
für letzteren den Ausdruck „fungiblen“ Werth) andererseits, so 
entfernen sie sich damit einfach von dem Boden der realen That- 
sachen und begeben sich auf das Gebiet einer unfruchtbaren 
Spekulation oder, wenn ich so sagen soll, des höheren Unterschei 
dungssportes; denn ein „abstracter“ oder „Gattungswerth“ kommt 
im ökonomischen Leben gar nicht vor; hier giebt es immer nur 
einen „concreten“ oder „Quantitätswerth“. So dass sich z. B. 
die Bemerkung, das Wasser habe in gewisser Beziehung einen 
höheren Werth als der Diamant oder das Eisen einen höheren 
als das Gold, in ökonomischen Erörterungen gerade so ausnimmt, 
wie die bekannte Frage, was ist schwerer: „ein Pfund Blei oder 
ein Pfund Federn?“
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.