Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

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Einleitung: Entwickelung des Verkehrswesens. 
gemacht. Zwar gab es bereits um die Mitte des vierten Jahrtausends v. Chr. auf dem 
Persischen Meerbusen Schiffahrt, auch ist von den Ägyptern bekannt, daß sie schon um 
das Jahr 2300 Puntfahrten (nach Arabien) ausführten, aber erst dem unternehmenden 
Geiste der Phönizier blieb es vorbehalten, die Seeschiffahrt zu höherer Entwickelung zu 
bringen. Die Phönizier überwanden die Scheu vor der Unermeßlichkeit des Ozeans, und 
mächtige Flotten liefen aus ihren berühmten Hafenstädten, aus Sidon, Tyrus, Byblus, 
Aradus aus und brachten die Jndustrieerzeugnisse dieses Volkes sowie fremde Waren nach 
den Ländern des Mittelmeeres, so das Gebiet des Welthandels mächtig erweiternd. In 
den zahlreichen Kolonien fand der Handel feste, immer mehr aufblühende Stützpunkte, 
unter denen sich Karthago besonders hervorhob. Wenn auch in alten Zeiten verschiedene 
der an den bedeutenden Karawanenwegen belegenen Städte, wie Damaskus, Palmyra, die 
eigenartige und bewunderungswerte im Norden der Halbinsel Sinai liegende Felsenstadt 
Petra und andere, sich als Handelszentren zu großer Bedeutung erhoben und auch im 
Mittelälter eine Anzahl im Binnenlande belegener Städte sich eines hohen Ansehens erfreuten, 
so kann dennoch die Thatsache nicht bestritten werden, daß sich die an schiffbaren Flüssen oder 
unmittelbar an der See liegenden Städte am leichtesten zu ihrer großen Handelsbedeutung 
für den Weltverkehr erhoben und sich auf ihrer Höhe dauernder zu erhalten vermochten. 
Wie in vielen anderen Dingen, so ahmten die Griechen auch auf dem Handels 
gebiete ihre Lehrmeister, die Phönizier, nach. Sie waren mit allen Kräften bemüht, 
sich von den Phöniziern im Handel unabhängig zu machen. Die kühnen griechischen 
Handelsleute drangen nach dem Osten vor, um die aus dem Inneren Asiens kommenden 
Karawanen sowohl an den Gestaden des Schwarzen Meeres als an der ägyptischen 
Küste abzufangen. Durch die Schaffung fester Handelsstationen ermöglichten sie einen 
direkten Umschlag der durch die Karawanen zugeführten Waren und entzogen diese dem 
phönizischen Zwischenmarkte. In Tanais, Olbia und Odessus nahmen sie die Waren der 
in das Skythenland ziehenden asiatischen Karawanen entgegen. Phanagoria, Theodosia 
und Trapezunt, Sinope und Heraclea auf der Südseite des Schwarzen Meeres waren 
bedeutende Handelsetappen. An dem afrikanischen Gestade waren die Faktoreien in 
Kyrene (mit dem Emporium Apollonia) und an der Nilmündung bestimmt, für die 
Karawanen einen Mündungsmarkt zu bilden. Zwischen dem Norden und Süden stellten 
die Inselwelt des Ägäischen Meeres und die Küsten Kleinasiens die Verbindung her. 
Hier erwuchs eine große Zahl von Städten, deren Namen ein außerordentlicher Glanz 
anhaftet, Ephesos, Samos, Rhodos, Knidos wurden angesehene Stätten des Handels 
und der Kunst. Große Binnenmärkte waren die Ausgangspunkte der Karawanen, die 
durch ihre Waren die auswärtigen griechischen Handelsstädte belebten. In Kolchis am 
Schwarzen Meere erreichte der Warenzug, der von Pattala, an der Jndusmündung, 
seinen Ausgang nahm, sein Ende. Hier sammelten sich die Waren vom Ganges und 
von Hinterindien an. Die Waren wurden den Indus und Kabul aufwärts gebracht. 
Durch den Kabulpaß stiegen die Warenzüge in das Flachland der Bucharei hinab, >vo 
sie mit den mongolischen Karawanen aus dem Chinesenlande zusammentrafen. Auf den 
Märkten von Sogdiana und Baktrien vereinigten sich somit die Warenzüge von Indien 
und China. Zu jener Zeit floß der Amu noch in dem heute verlassenen Bett in das 
Kaspische Meer und stellte eine Verbindung zwischen diesem und dem Aralsee her. Auf 
dem Kur und dann zu Lande über die Wasserscheide von Tiflis gelangten die Waren 
an das Schwarze Meer. Während in früheren Jahrhunderten Tharschisch, das Land, 
aus welchem die phönizischen Flotten die Schätze des Abendlandes holten, der Inbegriff 
des Reichtums war, erlangte jetzt Kolchis am Schwarzen Meer die gleiche Bedeutung, 
von dem die ersten Kolchisfahrer das „Goldene Vließ" aus dem Orient heimbrachten. —i 
Außer den bereits genannten Kolonien gründeten die Griechen auch auf Sizilien (Syrakus), 
in Süditalien, in Südfrankreich und in Spanien Niederlassungen, Orte, die in regem 
Handelsverkehr mit dem Mutterlande blieben. 
Die alten Bewohner Italiens, die Etrusker, waren gleich den Griechen ein 
kräftiges Seevolk, das auch die Kunst des Wegebaues ausübte und so für die Erleichte 
rung von Handel und Verkehr Sorge trug.
	        
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