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Sittliche
Eigen-
schaften.
die Fähigkeit, sich nachhaltig und tiefer in eine Aufgabe hineinzu-
arbeiten, ist wohl der germanischen Rasse im höheren Maße eigen als
Slaven und Romanen, wie ebenso den Männern mehr als den Frauen.
Diese: Gabe kommt besonders zur Geltung bei der philosophischen
Spekulation; sie ist die Grundbedingung für Erfindungen und deren
angemessene Verwertung. Sie bildet daher auf höherer Kulturstufe die
Hauptgrundlage für wirtschaftliches Schaffen. Darauf ist es un-
zweifelhaft zurückzuführen, daß gerade auf dem Gebiete der Philo-
sophie die erheblichsten Fortschritte den Germanen zu danken sind,
and sie ebenso die meisten und die bedeutsamsten Erfindungen gemacht
aaben. Nach beiden Richtungen werden sicher die Frauen: auch trotz
aller Gymnasialbildung, die man ihnen neuerdings oktroyieren will, nie-
mals Erhebliches leisten, weil ihnen dazu die natürliche An- und
Zrundlage fehlt.
Doch auch die intellektuelle Leistungsfähigkeit genügt nicht zu
höherem wirtschaftlichen Schaffen. Es müssen noch sittliche Eigen-
schaften hinzutreten, wie Fleiß, Ausdauer, Pflicht-und Ehrge-
fühl, Ordnungs- und Sparsinn, Ehrlichkeit und Freudean
ler Arbeit. Hin deutscher Handwerker in Neapel sagte uns: „Ein
italienischer Lehrling lernt in 6 Wochen, was ein deutscher sich erst
in einem Vierteljahr erwirbt, aber doch habe ich noch keinen Neapolitaner
soweit gebracht wie im Durchschnitt den deutschen Lehrling, weil ich
in ihm niemals den nötigen Fleiß und Ausdauer vorfand.“ Im Durch-
schnitt sind es nicht die Hochbegabten, die im Leben am meisten
leisten, sondern die energisch Fleißigen, welche mit mäßiger Begabung
ausgerüstet sind. Die intellektuellen Eigenschaften werden am meisten
anterstützt durch die Lebensauffassung, daß der Mensch zur Arbeit
auf der Welt ist und nur durch Arbeit und Pflichterfüllung dauernde
Befriedigung erlangen kann. Darin, daß diese Lebensauffassung in
Deutschland im großen und ganzen vorherrscht, und derjenige der Miß-
achtung verfällt, der seine Arbeitskraft nicht angemessen verwertet,
sehen wir die Grundlage der höheren Leistungen Deutschlands gegenüber
z. B. Spanien, wo der Arbeit nicht die Achtung entgegengebracht wird,
die man ihr bei uns gewährt. Die Hauptgefahr der Verbreitung sozıal-
demokratischer Anschauungen liegt darin, daß durch sie die Freudig-
keit an der Arbeit durch Weckung der MiBßBgunst gegen den Besitz
ıntergraben wird, wie durch die Lehre, daß auch ohne intensive Arbeit
Wohlstand und Glück zu erlangen sei. Auf der anderen Seite ist es
als Anachronismus zu bezeichnen, wenn für die Frau aus der ge-
”ildeten Klasse Erwerbsthätigkeit in Deutschland immer noch als an-
stößig angesehen wird und dem thatkräftigen Mädchen, das sich einen
eigenen Wirkungskreis im Geschäftsleben schaffen will, durch weit-
gehende Vorurteile Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden. Darin
sind die Ver. Staaten Nord-Amerikas und die Schweiz Deutschland
„edeutend voraus.
Sparsinn und Erwerbssinn sind wohl am meisten bei den
Schweizern und Holländern ausgebildet, dann bei den Franzosen. Die
Letzteren zeichnen sich sehr, z. B. Handwerker und Kaufleute, durch
Zuverlässigkeit und Akkuratesse aus. Ebenso ist dort wie in England
die Ehrlichkeit im Geschäftsleben sehr allgemein verbreitet. Nach
beiden Richtungen steht der deutsche Gewerbestand. nicht besonders
zünstig da, wohl aber der höhere Beamtenstand. Dies ist der
aumanistischen Erziehung zu verdanken, die wiederum den Erwerbssiun