2 Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle.
Aber schon auf diesem Gipfelpunkte ihrer Entwickelung sollten die Fugger er
fahren, wie groß doch die Gefahr ihrer Lage allezeit war: im Juni des Jahres 1525
wurden infolge von Umtrieben ihrer Gegner in Angarn unter dem Vorwände, sie hätten
schlechtes Metall in die Königliche Münze geliefert, auf Befehl des Königs Ludwig
ihre Bergwerke, alle Warenvorräte und sonstigen Besitztümer beschlagnahmt und ihre
Leute gefangen gesetzt. Gelang es auch später Anton Fugger, die Falschheit der Be
schuldigungen nachzuweisen und die Beschlagnahme rückgängig zu machen, so verloren
die Fugger doch bei dieser Angelegenheit über 200000 Gulden.
Auch läßt sich nicht leugnen, daß die Fugger in vielen Ländern vom Volke gehaßt
wurden, wozu freilich Neid und Anverstand nicht wenig beigetragen haben. Damals
erhielt ihr Name im Volksmunde jene Bedeutung, die ihn zur Gattungsbezeichnung der großen
Monopolisten werden ließ: Fucker, Fokker, Fucar usw. wurden seitdem die Geldmächte,die
das Volk für alle möglichen Übel verantwortlich machte, in verschiedenen Ländern genannt.
Der Mann, dem die Fugger diese Blüte ihres Laufes verdanken, starb am
30. Januar 1526. Jakob Fugger wird geschildert als ein schöner, stattlicher Mann,
der das bartlose Laupt stets frei und aufrecht trug, das Laar gewöhnlich in einer
Laube von Goldstoff, wie ihn auch seine Bildnisse darstellen. Er war fröhlich von
Gemütsart, gefällig und höflich gegen jedermann; bescheiden und schlicht in seinem Auf
treten, sagte er doch auch dem Löchstgestellten furchtlos die ungeschminkte Wahrheit,
wenn es not tat. Für sich selbst war er ohne viele Bedürfniffe, dabei aber gastfrei
im großen Stile seiner Zeit und seines Standes. Der vornehmsten Augsburger Gesell
schaften, der Lerrentrinkstube, gab er viele schöne Mummereien, Schlittenpartien und
Tänze. Ja, er hätte das Laus der Lerrentrinkstube auch neu erbaut, wenn ihm ge
stattet worden wäre, das Fuggersche Wappen daran anbringen zu lassen. Überhaupt
war er in der Baulust ein rechter Sohn seiner Zeit. Eins der jetzigen Fuggerhäuser
am Weinmarkt hat er mit reichem Zierrat aufs köstlichste bauen lassen. Die St. Anna
kirche stattete er mit herrlichen Bildwerken aus und ließ dort für sich und die Seinen
eine prachtvolle Begräbnisstätte errichten. Als nun aber diese Kirche in die Lände
der Lutheraner kam, verlangte er von seinen Neffen, daß sie ihn an einem anderen
Orte begraben lassen sollten; denn er war „ein guter, wahrer, rechter Christ und ganz wider die
Lutherei". Auch zu anderen Kirchenbauten hat er viel beigetragen oder solche allein gestiftet.
Von seinen vielen Werken der Barmherzigkeit ist das bekannteste die „Fuggerei",
ein kleines Stadtviertel mit Wohnungen für arme Leute, und vielleicht noch bezeichnender
für seine Denkungsart ist der von ihm dem Augsburger Rat gemachte Vorschlag, daß
dieser eine — nicht näher bezeichnete — Einrichtung treffen solle, vermöge deren dem
gemeinen Mann das Schaff Roggen auf ewige Zeit nicht höher als einen Gulden
kosten würde, was aber, wie das „Ehrenbuch" sagt, aus Einrede der Göttin Avaritia
keinen Fortgang gehabt hat.
Für uns hier am interessantesten ist das wenige, was über Jakob Fuggers per
sönliches Verhältnis zum Lande! berichtet wird. Er war ein Geschäftsmann ersten
Ranges, „hohen Verstandes" und noch in seinen letzten Lebenstagen so geschäftseifrig,
daß er, als ihm sein Neffe Georg Thurzo riet, die ungarischen Geschäfte, deren Lage
gefahrdrohend war, aufzulösen, solchen Kleinmut weit von sich wies und erwiderte, er
hätte einen ganz anderen Sinn, er wolle gewinnen, so lange er könne. Grade
nach dem Eintritte jener Katastrophe zeigte sich seine Amsicht, sein Dispositionstalent am
glänzendsten. Aber bei allen seinen weitausschauenden, über ganz Europa zerstreuten
Geschäften war er doch von Nervosität so weit entfernt, daß er, wie seine Neffen
wiederholt aus seinem eigenen Munde hörten, niemals „Linderung des Schlafes hatte,
sondern mit dem Lemde alle Sorge und Anfechtung des Landels von sich legte".
Was Jakob Fuggers geschäftliche Tätigkeit für das Vermögen seines Laufes
bedeutete, ersehen wir einigermaßen aus der im Fuggerarchive (2, 1, 22) noch vor-