Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

5.  Der  Musterlagerverkehr  der  Leipziger  Messen.

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darin,  daß  von  den  Verkäufern  zur  Messe  nur  Muster  der  zu  verkaufenden  Waren
ausgestellt  werden  und  von  den  Einkäufern  nach  diesen  Mustern  gekauft  wird,  wogegen
die  Waren  selbst  auf  der  Messe  gar  nicht  erscheinen,  sondern  an  den  Empfänger  von
ihrem  Lagerungs--  oder  Lerstellungsort  aus  gelangen.
Dieser  Musterlagerverkehr  bietet  Käufern  und  Ausstellern  die  folgenden  Vorteile:
Von  Wichtigkeit  für  die  Käufer  ist  zunächst  die  Vereinigung  so  zahlreicher
verschiedener  Geschäftszweige,  die  sie  in  den  Stand  seht,  schnell  und  bequem  ihren
Bedarf  an  Waren  der  verschiedensten  Gattungen  zu  decken.  Die  große  Mehrzahl  der
Meßeinkäufer,  der  inländischen  sowohl  wie  der  ausländischen,  führen  gleichzeitig  Erzeugnisse
mehrerer  Produktionszweige,  entweder,  wie  viele  Großhandlungen  und  Spezialgeschäfte,
Waren  gleicher  Verwendungsart,  aber  verschiedener  Verstellung,  z.  B.  Kunst-  und
Luxusgegenstände  aus  Porzellan,  Glas,  Metall,  Lolz  usw.,  oder,  wie  die  meisten
sogenannten  Kurz-,  Galanterie-  und  Spielwarengeschäfte,  Waren  aus  verschiedenem
Material  und  für  verschiedene  Gebrauchszwecke  zugleich.  Ähnlich  wie  in  der  großen
Zahl  der  zur  Ausstellung  gelangenden  Warengattungen  begegnet  der  Käufer  einer
außerordentlichen  Mannigfaltigkeit  weiter  auch  in  dem  Angebot  innerhalb  des  einzelnen
Industriezweigs,  das  für  denselben  Artikel  oft  einem  Wettbewerb  Dutzender  von  Lieferanten
entspringt.
Die  durch  die  Messe  gegebene  Vereinigung  so  zahlreicher  Industrieller  der
beteiligten  Branchen  schließt  für  den  Käufer  neben  der  gebotenen  reichhaltigen  Auswahl
an  sich  den  weiteren  Vorteil  ein,  daß  diese  Auswahl  innerhalb  der  Meßstadt  wiederum
auf  ein  kleines  Läuserviertel  von  nur  200—290  m  ins  Geviert  und  zu  60  %  der
Aussteller  auf  14  Gebäude  dieses  Viertels  mit  je  über  40  bis  zu  364  Ausstellerlokalen
oder  -ständen  konzentriert  ist.  Wollte  ein  Waren  aller  Gattungen  kaufender  Meßbesucher
die  zur  Messe  anwesenden  Verkäufer,  deren  Ausstellungen  er  bei  seinem  Rundgang
durch  die  Musterlager  in  rascher  Aufeinanderfolge  in  Augenschein  zu  nehmen  vermag,
nacheinander  einzeln  an  ihren  Herkunftsorten  aufsuchen,  würde  er  mehrere  Jahre  hindurch
ununterbrochen  zu  reisen  haben.  Nicht  viel  anders  liegen  die  Verhältnisse  auch  für
denjenigen,  dessen  Bedarf  sich  ausschließlich  auf  einen  der  hauptsächlicheren  Geschäftszweige ­
  erstreckt,  deren  jeder  durch  Aussteller  aus  einer  großen  Zahl  weit  verstreuter
Orte  vertreten  ist.
Von  wesentlicher  Bedeutung  für  den  Käufer  sowohl  wie  den  Verkäufer  ist
sodann  der  LImstand,  daß  beide  auf  der  Messe  als  einem  gemeinsamen  regelmäßigen
Treffpunkt  persönlich  zusammenkommen,  der  Detaillist,  Großhändler,  Exporteur  oder
Einkaufskommissionär  auf  der  einen,  der  Aussteller,  vor  allem  also  der  Fabrikant  oder
Verleger  der  betteffenden  Erzeugnisse,  auf  der  andern  Seite.  Die  große  Wichtigkeit
dieser  persönlichen  Vereinigung  des  Käufers  und  des  Verkäufers  ist  bereits  von  Pohle
mit  Nachdruck  hervorgehoben  worden.  Der  Nutzen,  den  sie  bringt,  fällt  beiden  Teilen
zu.  Der  Einkäufer  hat  das  Bedürfnis,  seine  Bestellungen  bei  dem  Fabrikanten  bezw.
dem  Verleger  selbst  auszugeben,  um  beim  Einkauf  zugleich  über  die  verschiedensten,  die
Fabrikation  und  die  Fabrikationsbedingungen  betreffenden  Gegenstände  Auskünfte  zu
haben,  die  kein  anderer  zu  erteilen  in  der  Lage  ist.  Er  will  wissen,  welcher  Veränderung
die  Ware  in  Beziehung  auf  Form,  Farbe,  Ausstattung  und  Material  fähig  ist,  um
vielleicht  selbst  Vorschläge  zu  neuen  Mustern  machen  zu  können,  denen  sich  nach  seinem
Dafürhalten  die  allgemeine  Geschmacksrichtung  zuwenden  wird,  oder  um  nach  seinen
eigenen  Angabe:»  bestimmte  Typen  anfertigen  zu  lassen,  die  speziellen  in  seiner  Leimat
herrschenden  Bedürfnissen  Rechnung  ttagen.  Weiter  hat  die  unmittelbare  persönliche
Berührung  und  Gelegenheit  zur  Aussprache  den  Vorzug,  daß  sich  Mißverständnissen
aller  Art  und  den  aus  ihnen  entstehenden  Weiterungen  in  vielen  Fällen  vorbeugen
läßt,  ganz  allgemein  aber  —  und  das  ist  wohl  mit  das  Wichtigste  —  auch  den,  daß
sich  Käufer  und  Verkäufer  überhaupt  näher  kennen  und  beurteilen  lernen,  als  es  ein
            
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