Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Zweiter  Teil.  Lande!.  IX.  Märkte  und  Messen.

begehrten  Wollen  sehr  erleichtert,  und  der  Lande!  vollzog  sich  in  der  Regel  rasch.
Schwieriger  dagegen  war  es,  die  Abholung  der  Wolle  durch  den  vom  Käufer  damit
beauftragten  Spediteur  nach  dessen  Speicher  zu  erreichen,  da  sich  in  der  Eile  nicht  so
viele  Gespanne  und  Arbeiter  beschaffen  ließen,  um  jeden  einzeln  gekauften  Posten
sofort  abholen  und  zur  Verwiegung  bringen  zu  können.  Diese  mußte  aber  selbstverständlich ­
  erfolgt  sein,  ehe  die  Abrechnung  mit  dem  Verkäufer  stattfinden  konnte.
Dem  Eichbornschen  Magazine  wurden  hierbei  öfter  ein  paar  tausend  Ballen  Wolle
zur  Abholung,  Verwiegung  und  größtenteils  auch  zur  baldigen  Weiterbeförderung
überwiesen.  Mit  der  vom  Spediteur  erhaltenen  Gewichtsbescheinigung  suchte  dann
der  Verkäufer  den  Käufer  in  dessen  Logis  auf  und  fand  dort  meistens  schon  eine
Anzahl  anderer,  gleichfalls  auf  Abrechnung  Wartender  vor,  so  daß  es,  ehe  die  letzten
die  Zahlungsanweisung  auf  den  Bankier  des  Käufers  erhielten,  zur  Erhebung  des
Geldes  für  diesen  Tag  sehr  häufig  schon  zu  spät  war,  obwohl  die  Zahlstunden  bis
sieben  Ahr  abends  ausgedehnt  wurden.  Der  Bankier  hatte  bei  den  Zahlungsleistungen
besonders  darauf  zu  achten,  daß  die  Akkreditivsumme  nicht  überschritten  und  die  Einlieferung ­
  der  Wollen  am  richtigen  Ort  erfolgt  war.
Mit  der  Einführung  der  Eisenbahnen  hat  das  Markttreiben  dann  ein  völlig
verändertes  Gepräge  erhalten.  Denn  die  Anfuhr  der  Wollen  von  den  Dominien
nach  Breslau,  die  Tausende  von  Fuhrwerken  in  Bewegung  gesetzt  hatte,  fiel  ebenso
wie  der  Weiterversand  an  die  Käufer  nunmehr  zum  größten  Teile  diesen  zu,  und
viele  der  Produzenten,  die  früher  ihre  Ware  stets  persönlich  nach  dem  Markt  begleitet ­
  hatten,  sandten  sie  jetzt  auf  Breslauer  Läger  zum  Verkauf  und  zur  Besorgung
alles  weiteren.
Mit  der  wachsenden  Einfuhr  überseeischer  Wollen,  die  durch  den  in  großem
Maßstabe  betriebenen  Export  hochfeiner  schlesischer  Böcke  nach  Australien  und  Amerika
allmählich  auf  das  erfolgreichste  veredelt  worden  waren  und  viel  billiger  als  die  schlesischen
einstanden,  hat  der  Breslauer  Markt  schließlich  mehr  und  mehr  an  Bedeutung  verloren.
Es  ließ  demzufolge  auch  mit  der  geringeren  Nachfrage  die  Sorgfalt  der  Züchter  nach,
und  so  kommt  es,  daß  der  Besuch  des  Marktes  von  Ausländern,  die  ehedem  in  Breslau
alle  die  feinen  Wollen  fanden,  deren  sie  bedurften,  heutzutage  fast  ganz  aufgehört  hat
und  die  wegen  Anrentabilität  ohnehin  schon  sehr  eingeschränfte  Produktion  immer  weiter
im  Rückgang  begriffen  ist.
So  hat  das  19.  Jahrhundert,  wie  den  Leinwand-  und  Tuchhandel,  auch  diesen
Zweig  des  schlesischen  kommerziellen  Lebens  in  seinem  Verlaufe  seiner  einstigen  großen
internationalen  Bedeutung  verlustig  gehen  sehen.  Der  Breslauer  Landelsplatz  hat
dadurch  Schläge  erlitten,  von  denen  er  sich  vielleicht  nie  wiedererholen  wird;  denn  selbst
die  glänzende  Entwickelung  der  schlesischen  Montanindustrie  hat  die  für  den  internationalen
Verkehr  unstreitig  sinkende  Bedeutung  Breslaus,  das  im  Inlande  von  dem  Äbergewicht
Berlins  mehr  und  mehr  erdrückt  wird,  nicht  aufzuhalten  vermocht.

5.  Der  Musterlagerverkehr  der  Leipziger  Messen.
Von  Paul  Leonhard  Leubner.

kjeubner,  Der  Musterlagerverkehr  der  Leipziger  Messen.  Tübingen,  kj.  Lauxp,
S.  1  und  5.  66  ff.
Der  Großhandelsverkehr  der  Leipziger  Messen  vollzieht  sich  heute  für  die  Erzeugnisse
der  Keramik,  der  Glas-,  Metall-,  Kurz-,  Galanterie-,  Spielwaren  und  verwandten
Industrien  in  der  Form  des  Musterlagerverkehrs.  Diese  Form  des  Verkehrs  besteht
            
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