Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

5.  Die  Gegenstände  des  Börsenhandels.

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Ihnen!")  worauf  beide  sich  den  Kurs  und  die  Quantität  schleunigst  in  ihren  Notizbüchern ­
  vermerken,  um  alsbald  sich  der  Erledigung  weiterer  Aufträge  zuzuwenden.
Oft  müssen  Gestikulationen  alle  Worte  ersetzen.  Denn  die  ungeheure  Zahl  der  fortwährend ­
  hin-  und  herschwirrenden  Gebote  verursacht  einen  geradezu  betäubenden
donnerartigen  Lärm  und  ist,  verbunden  mit  dem  Anblick  zahlreicher  Knäuels  sich
drängender,  brüllender  und  gestikulierender  Menschen,  wohlgeeignet,  demjenigen,  der
zum  ersten  Mal  die  Gallerten  eines  Börsenraumes  betritt,  ^Befremden  und  Widerwillen ­
  einzuflößen.

5.  Die  Gegenstände  des  Börsenhandels.
Von  Max  Weber.
Weber,  Die  Börse.  I.  Zn:  Göttinger  Arbeiterbibliothek,  herausgegeben  von  Naumann.
Bd.  l.  Göttingen,  vandenhoeck  &  Ruprecht,  5.  23—  32.
Man  pflegt  die  Waren,  welche  den  Gegenstand  des  Verkehrs  aus  der  Börse
bilden,  in  zwei  Äauptgruppen  zu  scheiden:  „Produkten",  Waren  im  engeren  Sinne,
einerseits  und  Geldsorten,  sowie  Wechsel,  „Effekten"  und  „Fonds",  d.  h.  Wertpapiere
verschiedener  gleich  zu  besprechender  Art,  andererseits,  und  man  scheidet  danach  die
„Produkten-  ftder  Warenbörse"  von  der  „Effekten-  joder  Fondsbörse".  Die
Unterscheidung  hat  nur  dieselbe  Bedeutung,  als  wenn  man  etwa  Fisch-,  Fleisch-  und
Gemüsemarkt  unterscheidet.  Beide  können  an  ein  und  demselben  Orte  stattfinden  und
gemeinschaftlich  organisiert  sein,  so  z.  B.  in  Berlin  und  Hamburg.  Oder  sie  können
an  verschiedenen  Orten  stattfinden,  so  in  Paris  und  London.  Es  können  auch  beide
Hauptabteilungen  wiederum  geteilt  sein,  z.  B.  die  Effektenbörse  in  eine  Börse  für
Wechsel  und  eine  solche  für  andere  Wertpapiere,  so  in  London,  und  die  Produktenbörse ­
  in  besondere  Märkte  für  Getreide,  Zucker,  Eisen,  Schmalz  usw.,  so  vielfach  in
Amerika.  Es  werden  endlich  überhaupt  nicht  an  jeder  Börse  alle  oder  viele  „börsengängigen" ­
  Waren  und  Papiere  gehandelt,  sondern  naturgemäß  oft  nur  oder  ganz
überwiegend  die,  welche  in  der  betreffenden  Gegend  produziert  oder  durch  den  betreffenden
Äafenplatz  hindurch  ein-  oder  ausgeführt  werden:  wie  in  den  Seestädten  der  Fischmarkt,
so  besteht  in  Essen,  im  westdeutschen  Kohlenreviere  eine  Börse,  an  welcher  nur  Kohlen
und  Anteile  an  Bergwerken  gehandelt  werden,  in  Magdeburg,  inmitten  der  Zuckerrüben
bauenden  Provinz  Sachsen  eine  solche  für  Zucker.  Nur  an  den  großen  zentralen  Börsen
konzentriert  sich  der  Verkehr  in  allen  Haupthandclsartikcln.
An  der  Produktenbörse  begegnen  wir  zunächst  dem  Getreide  und  den  Feldfrüchten ­
  aller  Art,  nebst  den  unmittelbar  daraus  gewonnenen  Produkten,  insbesondere
Mehl.  Der  größte  Markt  dafür  ist  in  Deutschland  nächst  der  Berliner  Börse  Mannheim,
bis  wohin  das  überseeische  Getreide  rheinaufwärts  verschifft  wird.  Ferner  Zucker:  die
größten  Märkte  sind  mit  Berlin,  wie  schon  erwähnt,  Magdeburg  und  Hamburg  (Ausfuhrhafen), ­
  und  Sprit:  Berlin  und  Hamburg  (Ausfuhrhafen)  teilen  sich  in  den  Markt;
Petroleum:  Bremen  (Einfuhrhafen)  teilt  sich  mit  Berlin,  Baumwolle:  ebenso;
Wollgarne,  besonders  Kammgarne:  Leipzig  (Produktionsort)  spielt  eine  erhebliche
Rolle;  Kaffee:  für  ihn  ist  Hamburg  (Einfuhrhafen)  der  größte  Handelsplatz;  Kohle
und  Eisen:  die  Märkte  der  westlichen  Produktionsgegenden  sind  von  entscheidender
Bedeutung,  und  viele  andere  nicht  so  wichtige  Artikel,  deren  Aufzählung  zu  weit  führt.
Im  Effektenhandel  drängt  sich  der  Verkehr  natürlich  an  den  Orten  zusammen.
            
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