Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

6.  Zur  Technik  des  Warcnterminhandcls.

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Die  Anteile  sind  (regelmäßig)  durch  einfache  Übertragung  des  Papiers  (der
Aktie)  übertragbar  und  gehen  von  Land  zu  Land:  die  Aktionäre  kennen  auch  einander
gegenseitig  nicht,  And  doch  sind  sie  Mitinhaber  desselben  Unternehmens,  und  für  die
wechselnden  Aktionäre  arbeiten  unter  Amständen  Tausende  von  Arbeitern,  denen  sie
niemals  im  Leben  begegnen,  und  auf  deren  Lage  sie,  die  eigentlichen  Anternehmer,
deren  Vertreter  nur  der  leitende  „Direktor"  ist,  so  gut  wie  keinen  Einfluß  haben,  für
die  sie  sich  jedenfalls,  auch  ohne  irgend  besonders  gewissenlose  Menschen  zu  sein,  regelmäßig ­
  schwerlich  verantwortlich  fühlen  werden.
Noch  immer  ist  diese  Form  der  Anternehmnng  in  starker  Zunahme  begriffen  und
für  große  Betriebe,  die  gewaltiger  Mittel  bedürfen,  regelmäßig  heute  völlig  unentbehrlich, ­
  denn  Ansammlungen  von  Vermögen  in  einer  Land,  wie  bei  Krupp  und
Stumm,  sind  seltene  Ausnahmen.  Für  Betriebe  solchen  ümfangs  müssen  die  Mittel
vielmehr  regelmäßig  durch  Einlagen  einer  sehr  großen  Zahl  von  Leuten  aufgebracht
werden,  welche  gar  nicht  in  der  Lage  sind,  ihre  persönliche  Mitarbeit  dem  Betrieb  zu
widmen,  auch  gar  nichts  davon  verstehen  würden,  sondern  nur  das  Interesse  haben,
Tribut  in  Gestalt  von  Dividende  zu  beziehen.  And  auch  hier  wieder  muß  man  sich
hüten  zu  glauben,  daß  die  Besitzer  von  Aktien  etwa  notwendig  hauptsächlich  in  den
Kreisen  der  „Großkapitalisten"  zu  suchen  wären.  In  England  besitzen  auch  Arbeiter
Aktien,  bei  uns  und  unsern  weit  kärglicheren  Reichtumsverhältnissen  besteht  gerade  die
Gefahr,  daß  zu  viel  Aktien  in  die  Lände  von  Leuten  gespielt  werden,  die  nicht  viel
zu  verlieren  haben,  aber  durch  gelegentliche  hohe  Dividenden,  von  denen  sie  lesen  oder
hören,  oder  sonstige  Reklamen  angezogen  werden  und  meinen,  weil  auf  der  Aktie
z.  B.  „1000  Mark"  steht,  komme  ihnen  doch  wohl  irgendwer  dafür  auf,  daß  sie
diese  1000  Mark  irgendwann  von  irgendwoher  erstattet  erhalten.
Das  sind  die  Lauptformen  der  eigentümlichen  Ware,  welche  den  Gegenstand
des  Marktverkehrs  an  den  „Effektenbörsen"  bilden.  Man  sieht,  es  sind  verbriefte
Tributberechtigungen,  und  die  moderne  Organisation  der  Wirtschaft  führt  dazu,
daß  eine  immer  steigende  Zahl  von  solchen  entsteht  und  „in  ümlauf  gesetzt"  wird.

6.  Zur  Technik  des  Warenterminhandels.
Von  Karl  Johannes  Fuchs.
Fuchs,  Der  lvarenterminhandel,  seine  Technik  und  volkswirtschaftliche  Bedeutung.  Sonderabdruck
  aus  Schmollers  Jahrbuch  für  Gesetzgebung  re.  Jahrgang  XV,  kseft  Leipzig,  vnncker
&  fjmnblot,  tSJi.  S.  8—1.4.
Denken  wir  uns  zwei  Weizenhändler  A  und  B,  welche  im  März  ein  Lieferungsgeschäft ­
  über  50  Tonnen  Weizen  auf  Juni-Lieferung  für  185  Mark  pro  Tonne
(=  1000  kg)  abgeschlossen  haben.  Dann  ist  das  Zustandekommen  dieses  Lieferungsgeschästs
  zunächst  ein  Beweis  dafür,  daß  die  beiden  über  den  künftigen  Gang  der
Preise  entgegengesetzter  Meinung  sind:  A  glaubt  nach  seinen  Informationen  über  die
Lage  des  Weltmarktes,  der  Preis  werde  bis  zum  Juni  auf  180  Mark  sinken;  wenn
er  also  den  Weizen  schon  besitzt  oder  durch  ein  anderes  Lieferungsgeschäft  oder  eine
schwimmende  Schiffsladung  bis  dahin  zu  bekommen  erwartet,  so  würde  er  dadurch
5  Mark  pro  Tonne  verlieren,  wenn  er  erst  im  Juni  verkaufen  wollte;  hat  er  aber
blanko  verkauft,  ohne  den  Weizen  zu  besitzeit  oder  bestimmt  zu  erwarten,  so  hofft  er,
wenn  seine  Beurteilung  richtig  ist,  ihn  dann  im  Juni  um  180  Mark  einkaufen  und
            
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