Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Zweiter  Teil.  Lande!.  X.  Die  Börse.

bedeutet,  daß  Waren  oder  Wertpapiere  zu  dem  angegebenen  Preise  verlangt,  aber
nicht  angeboten  wurden.  6---Brief  oder  ?--Papier  besagt,  daß  zu  den  verzeichneten
Preisen  Waren  oder  Papiere  angeboten,  aber  nicht  verlangt  wurden.  Stehen  die
beiden  Bezeichnungen  „Brief"  und  „Geld"  zusammen  neben  zwei  Kursen,  so  ist
darunter  zu  verstehen,  daß  zum  höheren  Kurse  Ware  ausgeboten  war,  zum  niedrigeren
Kurse  verlangt  wurde.  Bei  „bez.  u.  O"  oder  „bez.  u.  6"  sind  nur  Teilabschlüsse
zustande  gekommen,  so  daß  nicht  alle  verlangten  Waren  zu  haben,  nicht  alle  ausgebotenen ­
  Waren  anzubringen  waren.
Die  Kurse  werden  in  Prozenten  oder  für  je  ein  Stück  der  betreffenden  Effektengattung
  notiert.  An  deutschen  Börsen  werden  alle  diejenigen  Papiere  in  Prozenten
notiert,  welche  mit  einem  festen  Zinsfuß  versehen  sind,  so  z.  B.  Reichsanleihe,  preußische
Konsols,  ebenso  auch  die  deutschen  Aktien,  während  die  Stücknotierung  z.  T.  bei
ausländischen  Aktien  Platz  greift.  Die  Stückkursnotierung  läßt  den  Wert  des
Papiers  höher  als  bei  der  Prvzentnotierung  erscheinen,  sobald  die  Einheit  des  Betrages
des  Papieres  ein  Mehrfaches  von  Lundert  ist;  z.  B.  wird  der  Kurs  eines  Papieres
von  3000  Mark  Nennwert,  wenn  dieses  200  steht,  in  Prozenten  mit  200,  in  Stück
aber  mit  6000  notiert  werden.  An  den  deutschen  Börsen  werden  die  Kurse  durchweg
nur  für  das  Kapital  notiert,  dagegen  wird  die  Berechnung  der  aufgelaufenen  Zinsen
gesondert  aufgestellt  im  Kassageschäfte  bis  zum  Tage  des  Geschäftsabschlusses,  im  Zeitgeschäfte ­
  bis  zum  Erfüllungstage;  an  anderen  Börsen,  wie  London,  Paris  und  NewPork
werden  auch  bei  festverzinslichen  Papieren  die  laufenden  Zinsen  in  den  Kurs  eingerechnet. ­
  Diese  Verschiedenheit  in  der  Notierung  muß  natürlich  bei  Vergleichung  der
betreffenden  Kurszettel  im  Auge  behalten  werden.  Der  Kurs  wird  sich  bei  den
Papieren,  die  einschließlich  Zinsen  notiert  werden,  bis  zum  Fälligkeitstage  des  Coupons
fortwährend  erhöhen  und  sich  dann  an  diesem  Tage  nach  Abtrennung  des  Coupons
wieder  entsprechend  ermäßigen.  Bei  uns  in  Deutschland,  wo  der  Kurs  ausschließlich
der  Zinsberechnung  notiert  wird,  hat  die  Fälligkeit  des  Coupons  bei  den  festverzinslichen ­
  Papieren  begreiflicherweise  keinen  Einfluß  auf  den  Kurs,  da  die  Kapitalberechnung ­
  nach  wie  vor  die  gleiche  bleibt.  Dagegen  ändert  sich  die  Kursnotierung
bei  solchen  Papieren,  denen  ein  Dividendenschein  angeheftet  ist,  ein  Schein,  der  bei
Fälligkeit  nicht  mit  einem  bestimmten  Betrage  eingelöst  wird,  sondern  dessen  Gegenwert
sich  nach  dem  Erträgnisse  des  betreffenden  Unternehmens  richtet;  da  man  diese  zukünftige
Dividende  nicht  vorher  bestimmen  kann,  so  werden  4°/«  Zinsen  berechnet.  Aber  auch
hier  herrscht  eine  Verschiedenheit  bezüglich  der  Kursnotierung,  je  nachdem  der  Dividendenschein ­
  mit  Ablauf  des  Geschäftsjahres  oder  erst  dann  abgetrennt  wird,  wenn  die
Dividende  bekanntgegeben  wird.  Wird  der  Schein  am  Ende  des  Geschäftsjahrs,
meist  am  1.  Januar,  detachiert,  so  fragt  es  sich,  wie  hoch  die  Dividende  von  seiten
der  Börse  voraussichtlich  geschäht  wird.  Glaubt  die  Börse,  daß  das  Papier  z.  B.
10  o/o  zahlen  wird,  so  wird  nach  dem  31.  Dezember  der  Kurs  um  den  Prozentsatz
herabgesetzt,  der  über  die  usancemäßig  berechneten  4  %  hinausgeht.  Der  Käufer
eines  Papiers,  das  Ende  Dezember  196  °/ 0  stand,  wird  mithin  bei  einer  geschätzten
Dividende  von  I0°/o  am  3.  Januar  190-s-4°/«  Zinsen  vom  1.—3.  Januar  zu  zahlen
haben,  weil  der  Käufer  am  31.  Dezember  den  Dividendenschein  für  das  abgelaufene
Jahr  mitkaufte,  der  Käufer  am  3.  Januar  aber  nicht.  Wird  das  Erträgnis  mit  weniger
als  den  usancenmäßigen  4%  in  Aussicht  genommen,  so  erhöht  sich  der  Kurs  nach
Jahresschluß  um  die  entsprechende  Differenz;  z.  B.  wird  ein  Papier  im  Kursstände
von  90  mit  einer  auf  2%  geschätzten  Dividende  am  2.  Januar  auf  90  +  2  =  92%
gesetzt  werden,  weil  der  Käufer  an  diesem  Termine  nur  aus  2  Tagen  die  4%  Zinsen
zu  vergüten  hat,  am  31.  Dezember  aber  für  ein  volles  Jahr.  Bleibt  der  Dividendenschein ­
  bis  zur  Erklärung  der  Dividende  am  Papier,  dann  findet  nach  Schluß  des
Geschäftsjahrs  wohl  wiederum  eine  verschiedenartige  Berechnung  an  den  einzelnen
            
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