3. Zur Währungsfrage.
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erfolgen, (neue mildere Regelung noch durch Kab.-Ordre v. 29. Mai 1814) und ebenso
wurde auch ein Teil der Staatsausgaben in Gold bezahlt, namentlich ein Fünftel der
höheren Gehälter (bis 1848).
4. Goldwährung, bei welcher die Goldmünzen ausschließlich gesetzliches
Zahlungsmittel für größere Zahlungen sind, Silbermünzen nur als Scheidemünzen mit
beschränkter Annahmepflicht, hohem Prägschahe und in einer auf das Bedürfnis an
kleiner Münze beschränkten Menge geprägt werden. Die Goldwährung ist dem an
zweiter Stelle erwähnten Münzsystem, bei welchem die Silbermünzen Kreditmünzen
sind, nahe verwandt. Sie unterscheidet sich von diesem nur durch die Fürsorge, welche
gegen die Verdrängung der goldenen Kurant- durch silberne Kreditmünzen dadurch
getroffen wird, daß diese auf die Stellung der Scheidemünzen gesetzlich beschränkt
werden.
3. Zur Währungsfrage.
Von Leinrich Soetbeer.
So et beer, Zur Währungsfrage. (Vortrag). Verhandlungen in den am 17. Februar isgi und
(3. März 18^5 in Hamburg abgehaltenen Versammlungen Lines Ehrbaren Kaufmanns. Heraus
gegeben von der Handelskammer zu Hamburg. Hamburg, £. Friederichsen & Co., 1895. S. 1—13.
Die großen Tatsachen, die in der Währungsfrage zur Erörterung stehen, sind
allbekannt. Seit der ersten Äälfte der 1870er Jahre ist erstens der Preis des Silbers
und sind zweitens die Preise vieler anderer Waren in bedeutendem Maße
gesunken. Ist die letztere Tatsache weniger scharf zu fassen, so ist die erstere mit
Leichtigkeit und Sicherheit zu erkennen. Während der Preis des Silbers vor 1873
etwa 178 Mk. für 1 kg betrug, hat er im Durchschnitt des Jahres 1892 unter
117 Mark gestanden?)
Von den Gegnern unserer Währung wird als weitere Tatsache eine Knappheit
an Gold und Geld behauptet. Eine solche Knappheit ist indessen nicht bewiesen
und nicht vorhanden. . . . Vielmehr ist der Vorrat an Gold im ganzen, an Goldgeld
und an Geld aller Art in der Gegenwart größer als je. Für Anfang 1892 ist der
Geldvorrat in Deutschland auf 2350 Millionen Mark in Gold und 950 Millionen
Mark in Silber geschäht worden,*) **) — ein Bettag, dessen Unzulänglichkeit in keiner
Weise nachgewiesen ist. Dem erhöhten Geldbedarf, wie er durch die Zunahme der
Bevölkerung und die Steigerung des Verkehrs veranlaßt wird, steht die Entwickelung
des Kredit- und Bankwesens gegenüber, infolge deren erstaunliche Amsätze sich vollziehen,
ohne daß ein Stück Geld dabei bewegt wird. . . .
Nachdem ich die Behauptung einer Geldknappheit zurückgewiesen habe, wende
ich mich zur ersten Laupttatsache der Währungsfrage, zum Sinken des Silber
preises. . . .
*) Nach Bieder mann, Die Statistik der Edelmetalle als Material zur Beurteilung wirtschaft
licher Fragen (in: Deutsche Wirtschaftszeitung. Herausgegeben von Apt und voelcker. 1- Jahrgang.
Berlin, R. v. Deckers Verlag, G. Schenck, 1905. S. 71) kostete 1 kg Silber im Durchschnitte der Jahre
1886 —1909 Mark 13-1, 132. 126, 126, 111, 122, 118, 105, 86, 88, 91, 82, 80, 81, 81, 81, 71, 73, 79. — G. m.
**) Ende 1901 betrug allein die Höhe des deutschen Goldbestandes — nach vorsichtiger
Schätzung — etwa 3 Milliarden Mark. Berliner Jahrbuch für Handel und Industrie. Jahr
gang 1901. Bd. I. Berlin, Georg Reimer, 1905. S. 167. — G. M.