Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Zweiter  Teil.  Landet.  XII.  Bankwesen.

3.  Mit  der  Notenausgabe  wird  zweckmäßig  das  Depositen--,  Kontokorrent--  und
Checkgeschäft  verbunden.
Die  privat--  und  volkswirtschaftlichen  Leistungen  des  Notengeschäfts  sind  in
einer  Linsicht  prinzipiell  dieselben  wie  diejenigen  des  Depositengeschästs.  Es  wird  ein
Amlaufsmittel  geschaffen,  das  wenigstens  für  größere  und  mittlere  Zahlungen  viel
bequemer  als  Münze  ist  und  viel  Arbeit  und  Kosten  der  Aufbewahrung,  des
Lantierens,  Zählens,  Transports  des  Geldes  erspart.  Es  wird  ferner  ein  Teil
desjenigen  Nationalkapitals,  das  in  dem  Münzvorrat  gebunden  ist,  für  andere  Zwecke
disponibel.
Zu  jenen  beiden  Vorteilen  kommt  aber  ein  sehr  wichtiger  weiterer,  der  die  Entscheidung ­
  für  die  Emission  (bankmäßig  gedeckter)  wirklicher  Banknoten  und  gegen  die
Pläne  des  Ersatzes  derselben  durch  ganz  oder  für  eine  bestimmte  Quote  bar  gedeckte
„Geldscheine"  gibt:  nur  die  Banknoten-Emission  kann  sich  von  allen  Krediteinrichtungen
dem  wechselnden  Stande  des  Kredits,  d.  h.  hier  speziell  dem  Wechsel  des  allgemeinen
Vertrauensmoments  und  des  allgemeinen  Bedürfnisses  nach  Darlehen  und  Amlaufsmitteln ­
  sicher,  bequem  und  unbedenklich  anpaffen;  nur  sie  vermag  namentlich  wegen
der  Stellung  und  Funktion  der  Banknote  im  Verkehr  die  Lücke  im  Kreditverkehr  auszufüllen, ­
  welche  sich  regelmäßig  in  politischen  und  wirtschaftlichen  Krisen  durch  die
Stockung  der  gewöhnlichen  Kreditgeschäfte  zeigt;  nur  die  Banknoten-Emission  und
-Zirkulation  kann  sich  auch  dem  zeitlichen  und  örtlichen  Wechsel  des  Bedarfs  an
Amlaufsmitteln,  insbesondere  an  Metallgeld  im  Verkehr,  der  Folge  periodischer  Vorgänge
in  der  Volkswirtschaft,  genügend  anschmiegen  und  so  sonst  unvermeidliche  Störungen
der  allgemeinen  wirtschaftlichen  Bewegung  verhüten.  Zn  allen  diesen  Funktionen
vermag  auch  ein  Depositenbankwesen  vervollkommnetster  Technik  das  Zettelbankwesen
nicht  ausreichend  zu  ersehen.  Es  handelt  sich  bei  diesen  Funktionen  aber  keineswegs
um  Klasseninteressen,  z.  B.  der  den  Bankkredit  mit  Lilfe  der  Notenemission  erhaltenden
Geschäftskreise,  wenn  die  letzteren  auch  öfters  die  Nächst-Interessierten  dabei  sind,  sondern
es  handelt  sich  um  allgemeinste  Interessen  des  gesamten  volkswirtschaftlichen  Verkehrs
in  unseren  eben  einmal  wesentlich  privatwirtschaftlich  organisierten  Volkswirtschaften.
Lier  muß  man  auch  im  Interesse  der  „Kleinen"  (Arbeiter,  Landwerker,  kleine  Kaufleute)
die  „Großen",  die  „Spitzen"  (große  Bank-,  Landels-,  Fabrikfirmen)  halten.  Die
Banknotenausgabe  ist  mithin  ein  notwendiges  und  heilsames  Glied  moderner  Kreditwirtschaft.

Für  die  Organisation  des  Zettelbankwesens  folgt  aus  dem  Dargelegten,  daß
eine  solche  erstrebt  werden  muß,  welche  jene  spezifische  Funktion  der  Notenausgabe
besonders  günstig  sich  gestalten  läßt.  Lier  hat  wohl  die  Zentralisation  der  Notenausgabe ­
  besondere  Vorzüge.  Denn  wenn  auch  das  dezentralisierte  Zettelbankwesen,  wie
z.  B.  in  Schottland,  den  periodischen  Bewegungen  des  volkswirtschaftlichen  Bedarfs
an  Amlaufsmitteln  gut  zu  entsprechen  vermag,  so  steht  ihm  darin  die  große  Zentralbank
mit  einem  Netze  von  Filialen  kaum  nach,  während  ein  solches  Institut  in  Krisen  mit
seinen  akkreditierten  Noten  am  besten  „vor  dem  Riß  stehen"  kann.
            
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